Das Geschäft mit dem Tod - Von Paul Lendvai

24. April 2003, 17:40
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Die Weichen für das Big Business Wiederaufbau sind gestellt

Hinter den Jubelmeldungen, den TV-Bildern über das menschliche Leid und den Kontroversen über die Zukunft des Irak werden schon die Weichen für das große Geschäft des Wiederaufbaus gestellt.

Laut "Transparency International", einer Gruppe, die die weltweite Korruption beobachtet, sind die öffentlichen Aufträge, das Öl und der Waffenhandel die wichtigsten Triebkräfte der Korruption. Nach dem Krieg werden die Profite privatisiert und die Hilfe für die Armen internationalisiert.

Vorbild Jugoslawien-Krieg

Einen Vorgeschmack erhielt man bereits nach dem Jugoslawien- Krieg. So versorgt das Unternehmen "KBR", eine Tochtergesellschaft des texanischen Ölkonzerns Halliburton US-Soldaten auf dem Balkan mit Nahrungsmitteln und frischer Wäsche, ein Auftrag im Wert von bisher drei Milliarden Dollar. Dass der Chef von Halliburton von 1995 bis 2000 der US-Vizepräsident Dick Cheney war, mag ebenso ein Zufall sein wie die Tatsache, dass die gleiche Firma u. a. die Ölfelder im Irak sichern bzw. Brände bekämpfen soll. Ohne Konkurrenz erhielt Halliburton einen Auftrag in der Schwindel erregenden Höhe von sieben Mrd. Dollar für zwei Jahre.

Wenn man bedenkt, dass der Aufbau des Irak über 100 Mrd. Dollar kosten dürfte, sind die Möglichkeiten für die großen Firmen enorm. Vizepräsident Cheney erhielt übrigens bei seinem Abschied von der Firma eine Abfertigung in der Höhe von 30 Mio. Dollar. Niemand behauptet, dass er direkt mit den Aufträgen für die zahlreichen Tochtergesellschaften seiner einstigen Firma zu tun hat, doch die Optik ist nicht gerade vertrauenserweckend.

Eine Frage der Bezahlung

Alles deutet darauf hin, dass, wenn nicht ein Wunder geschieht, auch im Irak die amerikanischen Rüstungsfirmen und vielleicht noch einige mit ihnen verbundenen Multis die wirklich großen Aufträge bekommen werden. Bereits jetzt versorgen die Militärfirmen die US-Truppen mit Nachschub und reparieren Kriegsgerät im Irak. Laut New York Times schätzen Beobachter die Aufträge aus dem Pentagon in diesem Jahr auf 30 Mrd. Dollar, rund acht Prozent des US- Verteidigungsbudgets. Dass auch die konzeptiven Denker in der engeren Gruppe um Bush sich nicht nur mit der besten Nachkriegsordnung im Zeichen der Menschenrechte und der Demokratie im Irak beschäftigen, zeigt die Enthüllung, dass Richard Perle für seine Interventionen im Pentagon fast 600.000 Dollar von einer inzwischen Bankrott gegangenen Telekomfirma hätte erhalten sollen.

Ungebrochener Einfluss

Zwar musste er als Vorsitzender des Beratergremiums von Verteidigungsminister Rumsfeld zurücktreten, doch bleibt sein Einfluss ungebrochen. Das gilt natürlich auch für die bekannten Exgeneräle und Exmanager der Ölindustrie, die nun ähnlich zielbewusst den Wiederaufbau bestimmen wollen, wie sie bei der Entscheidung für den Krieg vorgegangen waren. So erhielt jetzt die berüchtigte Firma Bechtel bereits einen ersten Auftrag in Höhe von 680 Mio. Dollar im Irak.

Obwohl die OECD-Staaten 1997 ein Abkommen über das Verbot der Bestechung durch multinationale Konzerne unterzeichnet haben, bleibt Korruption ein Krebsübel der modernen Gesellschaft. Es kam nämlich zu keinen Anklagen im Sinne dieser Konvention, obwohl 35 Signatarstaaten Gesetze zwecks Verbot der Bestechung von ausländischen Beamten verabschiedet haben. Tatsächlich gab es auch bisher keine einzige Geld- oder Haftstrafe für solche Delikte. Und es ist zu befürchten, dass Bestechung durch multinationale Firmen auch den Wiederaufbau im Irak direkt oder indirekt mitprägen wird. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.4.2003)

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