Monologe mit der eigenen Verwertbarkeit

25. April 2003, 20:16
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Zdenka Beckers "Intercity – Vienna Art Orchestra" porträtiert fünf Frauen aus dem "Osten"

Zdenka Becker’s neues Theaterstück "Intercity – Vienna Art Orchestra" erzählt die Geschichte von fünf Frauen, die aus den ehemaligen Oststaaten stammen und sich auf den Weg machen, im Westen einen Mann zu suchen, der ihnen Wohlstand garantiert. Um die Authentizität des Textes zu unterstreichen und gleichzeitig Österreich als Drehscheibe zwischen Ost und West zu definieren, verkörpern Deutsch sprechende, aber aus Originalländern stammende Schauspielerinnen die jeweiligen Rollen.

Aus dem Inhalt

In einem Zug von Salzburg nach Wien fahren fünf Frauen. Sie kennen einander nicht, und doch haben sie etwas gemeinsam. Sie alle kommen aus den ehemaligen Oststaaten, sie alle suchen per Agentur "Interlove" einen österreichischen Ehemann.

Weil sie wissen, was man von ihnen erwartet, passen sie sich den üblichen Klischees an. Die Tschechin Jitka muss Knödel kochen können; die Slowakin Darina - eine Krankenschwester - pflegt Männer jeden Alters; die Ungarin Ilona bietet sich als Kindermädchen an und die Polin Agniezska preist ihre weiblichen Reize an. Die intellektuelle Russin Galina hat es am schwersten: als Deutsch- und Englischlehrerin, von denen es in Österreich viele gibt, hat sie bei den Männern wenig Chancen.

Doch trotz aller weiblichen List ist der Fehlschlag vorprogrammiert. Die Tschechin kann nicht kochen, der Krankenschwester ekelt es vor dem Körperkontakt mit den Kranken, die Kindergärtnerin ist der Kinder müde, der Vamp ist gar kein Vamp, sondern eine mit aufblasbarem Wonderbra ausgestattete junge Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Kind.

Aber selbst ist die Frau. Jitka lernt Rezepte auswendig, Darina pflegt ihre Hände, Ilona "ärgert" sich mit Brettspielen, Agniezska arbeitet ständig an ihrem Outfit, Galina zeigt Sprünge, die sie als Eiskunstläuferin in Moskau mit ihrem damaligen Tanzpartner und Ehemann Jurij beherrschte.

"Intercity – Vienna Art Orchestra" ist ein Monolog für fünf Stimmen. Nach und nach steigen die Frauen in den Zug ein, jede von ihnen erzählt ihre eigene Geschichte. Sie sprechen nicht miteinander, sondern reden aneinander vorbei. Je länger man ihnen zuhört, um so klarer wird es, dass es sich hier nur um eine einzige Geschichte handelt – um die Geschichte von Einsamkeit.

Am Zielbahnhof, Wien West, steigen sie alle aus und versuchen ihr Glück, denn Wien ist voller potentieller Ehemänner, die darauf warten, glücklich gemacht zu werden. (red)

24., 25. u. 26.4.2003
20.00 Uhr
Interkulttheater
Fillgradergasse 16
A-1060 Wien
Kartenbestellung:
Tel.: 01/ 587 05 30
Eintritt: € 14,-- / € 10,--
  • Artikelbild
    foto: christoph pfeifer
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