Irakischer Ex-Außenminister lehnt US-Übergangsverwaltung im Irak ab

23. April 2003, 15:48
posten

Pachachi: "Irakis sind selbst in der Lage, das Land zu führen" - Pro-amerikanische Nachbarstaaten fordern legitime Regierung in Bagdad

Kairo - Der ehemalige irakische Außenminister und UNO-Botschafter Adnan Pachachi hat sich gegen eine US-geführte Übergangsverwaltung im Irak ausgesprochen. Die Irakis seien "mit ihrer langen Erfahrung selbst in der Lage, das Land zu führen", sagte der achtzigjährige frühere Diplomat am Mittwoch nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in Kairo. Pachachi erneuerte seine Forderung nach einer Irak-Konferenz in Bagdad zur Wahl einer Übergangsregierung und zur Vorbereitung von demokratischen Wahlen.

Seit 1970 im Exil

Der sunnitische Moslem Pachachi, der von 1965 bis 1967 das irakische Außenamt leitete und seit 1970 im Exil lebte, steht an der Spitze einer liberalen Gruppierung mit der Bezeichnung "Unabhängige Irakis für die Demokratie". Die Gruppe widersetzt sich einer amerikanisch-britischen Besetzung des Landes und tritt für eine provisorische UNO-Verwaltung ein, die - wie in Kambodscha oder Osttimor - ein Verfassungsreferendum und allgemeine Wahlen organisieren soll.

Mubarak fordert schnellstmöglichen Rückzug der USA

Mubarak hat ein Ende der Besetzung des Irak und einen schnellstmöglichen Truppenrückzug gefordert. In einer Fernsehansprache verlangte er am Mittwoch, dass die Vereinten Nationen eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Stabilität und Sicherheit im Irak spielen sollten. Es müsse in Bagdad sofort eine legitime neue Regierung gebildet werden.

Der frühere irakische Außenminister Adnan Bajeh sieht keine Notwendigkeit für eine von den USA geführte Regierung im Irak. Die Irakis seien qualifiziert genug, um ihre eigenen Angelegenheiten zu klären, sagte Bajeh am Mittwoch in Kairo. Er lebte seit Jahrzehnten im Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Auch Bajeh führte in Kairo Gespräche mit Mubarak.

Jordanien wird seinen Botschafter erst nach dem Ende der Okkupation in den Irak zurückschicken. Solange es keine legale Autorität in Bagdad gebe, werde er nicht auf seinen Posten zurückkehren, erklärte der jordanische Botschafter im Irak, Fakhri Abu Taleb, in Amman in einem Interview mit der Zeitung "Al Doustour" (Mittwochausgabe). Es sei unmöglich, dass sich ein Botschafter in Bagdad aufhalte, "solange die militärische Okkupation andauert", sagte der Diplomat. Einige Botschaftsmitarbeiter würden nach Presseberichten in den kommenden Tagen in die irakische Hauptstadt reisen, um in erster Linie die rund 3.000 jordanischen Studenten zu betreuen, von denen einige in Gefangenschaft sein dürften. Die jordanische Zeitung "Al Arab al Yom" zitierte den Botschafter mit den Worten, dass "einige Studenten, die sich der Aggression gegen den Irak widersetzt haben, gefangen genommen worden sind".

Nachbarstaaten für entscheidende Rolle der UNO

Alle Nachbarstaaten des Irak hatten gemeinsam mit Ägypten und Bahrain die USA und Großbritannien zu einem raschen Rückzug ihrer Truppen aufgefordert. Außerdem bekräftigen die acht Außenminister am vergangenen Wochenende in Riad das Recht der Irakis auf die freie Wahl ihrer Regierung. Eine von US-Experten geführte Übergangsverwaltung in Bagdad lehnten sie kategorisch ab. Stattdessen sollten die Vereinten Nationen die entscheidende Rolle spielen. Die 1990 gegen den Irak verhängten UNO-Sanktionen sollten erst aufgehoben werden, wenn in Bagdad eine unabhängige "nationale" Regierung im Amt sei.(APA/dpa)

Share if you care.