Vorarlberg hat Nase weit vorn

23. April 2003, 15:06
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Österreichweit 300.000 Fremdwährungskreditverträge aushaftend - Sollten sich Kunden nicht genug gewarnt fühlen, Schaden auch für Banken

Wien - Der Boom bei den Fremdwährungskrediten hat sich in Österreich seit Mitte der Neunziger-Jahre entwickelt. Seit 1996 hat sich das Volumen bis Jänner 2003 von 11 auf 44,5 Mrd. Euro vervierfacht. 25,7 Mrd. Euro entfallen auf Franken- und 17,4 Mrd. Euro auf Yen-Kredite. Der Anteil der privaten Haushalte hat sich seither deutlich erhöht. Im Jänner 2003 entfielen 24,3 Mrd. Euro auf Unternehmen und 16,6 Mrd. Euro auf private Haushalte. Damit sind 19 Prozent aller ausständigen Unternehmenskredite und 25 Prozent aller Privatkredite Fremdwährungskredite. Insgesamt sind derzeit fast 300.000 auf fremde Währung lautende Kredite ausständig.

Regional betrachtet gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle. Vorarlberg hat bei den Privatkrediten mit 62 Prozent den höchsten Fremdwährungsanteil am gesamten regionalen Kreditvolumen, gefolgt von Tirol (54 Prozent) und Kärnten (32 Prozent). Den geringsten Anteil verzeichnet Salzburg mit 11 Prozent.

Spitzenposition bei Unternehmenskrediten

Auch bei den Unternehmenskrediten hat Vorarlberg anteilsmäßig die Spitzenposition. 38 Prozent des Kreditvolumens lautet auf Fremdwährung, in Tirol sind es 35 Prozent und in Salzburg 23 Prozent. Den geringsten Anteil hat hier Niederösterreich mit 14 Prozent.

Die Risken bei Fremdwährungskrediten betreffen sowohl Kreditnehmer als auch den Kreditgeber, führte OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell heute in Wien aus. In erster Linie werde der Kreditnehmer mit dem Wechselkursrisiko getroffen. Im schlimmsten Fall - Kreditaufnahme zum Tiefstkurs und Rückzahlung zum Höchstkurs - hätte es seit 1995 bei einem Franken-Kredit zu einem Verlust von 20 Prozent und bei einem Yen-Kredit von 80 Prozent kommen können. An weitere Risken für den Kreditnehmer seien das Tilgungsträgerrisiko, Zinsänderungsrisiko und Spreadrisiko.

Für die Kreditgeber bestünde bei Fremdwährungskrediten ein erhöhtes Ausfallrisiko und ein so genanntes Klumpenrisiko. Darüber hinaus bestehe ein Refinanzierungsrisiko, ein Wechselkursrisiko, ein erhöhtes operationales Risiko sowie ein "Reputationsrisiko", falls viele Kreditnehmer einer Bank von möglichen Nachteilen von Fremdwährungsrisiken getroffen und sich nicht ausreichend davor gewarnt fühlten.(APA)

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