Asiens Wirtschaft im Bann von SARS

24. April 2003, 16:42
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Ökonomische Schäden nehmen zu - Experten zeichnen düsteres Bild - Airlines und Börsen unter Druck

Peking/Singapur - Die lebensgefährliche Lungenkrankheit SARS belastet zunehmend die Volkswirtschaften Asiens. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprach am Donnerstag von bedeutenden Folgen für die am stärksten betroffenen Länder.

Die Weltbank reduzierte unter anderem wegen der Krankheit ihre Wachstumsprognose für Ostasien, während der Internationale Luftfahrtverband (IATA) von verheerenden Folgen für die asiatischen Fluglinien sprach. Auch europäische und US-Fluglinien mit starker Präsenz in Asien seien betroffen. In Hongkong, Taiwan und Singapur fielen die Börsenkurse.

Börsen stark belastet

Die OECD wies darauf hin, dass SARS in mehreren Ländern Asiens die Börsen stark belastet und zu Einbußen bei Fluggesellschaften sowie im Tourismus und Einzelhandel geführt habe. Die makro-ökonomischen Auswirkungen seien zwar gegenwärtig noch schwer einzuschätzen. "Aber die Erfahrungen mit anderen Krankheitsausbrüchen legen nahe, dass lokale und bereichsbezogene Auswirkungen in den am schwersten betroffenen Staaten bedeutend sein könnten, wenn sich der Notfall verschlimmert und anhält." Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie hingen weitgehend davon ab, wie schnell und effektiv das Virus unter Kontrolle gebracht werden könne.

Zuvor hatte die Weltbank ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2003 in Ostasien unter anderem wegen SARS auf fünf von 5,5 Prozent gesenkt. Die Folgen würden für die einzelnen Staaten der Region unterschiedlich schwer sein, hieß es. Hongkong und andere Regionen, die wirtschaftlich vom Tourismus stärker abhängig seien, würden mehr darunter leiden als beispielsweise das chinesische Festland.

Wirtschaftlicher Druck auf Airlines steigt

Der IATA erneuerte in Genf seine Prognose, wonach die Einbrüche bei den Passagierzahlen wegen SARS und dem Irak-Krieg in der Branche zu Einbußen in Höhe von rund zehn Mrd. Dollar (9,1 Mrd. Euro) führen würden. Ein IATA-Sprecher sagte, die Auswirkungen des Irak-Krieges für den Luftreiseverkehr seien zwar nicht so schwer wie befürchtet gewesen. "Aber die Folgen durch SARS sind viel schlimmer."

Auch Firmen wie United Airlines und British Airways seien wegen ihrer starken Präsenz in Asien betroffen. Am Donnerstag gaben auch die Aktien der Lufthansa nach. Analysten verwiesen auf die Bedeutung der Fernost-Strecken für die Fluggesellschaft.

Märkte geben nach

Die Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways kündigte an, Anfang Mai ihre angekündigte Dividendenzahlung zu überprüfen. "Wahrscheinlich ist, dass sie ihre Dividende kürzen werden", sagte Philip Wickham von ING Financial Markets. Die Fluglinie hat 45 Prozent der Flüge gestrichen, die Passagierzahlen sind um zwei Drittel gefallen.

In Hongkong fiel der Aktienindex auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren, in Taiwan gab der Aktienmarkt um vier Prozent und in Singapur um zwei Prozent nach. Hongkong hatte am Vortag ein Hilfspaket im Umfang von 11,8 Mrd. HK-Dollar (1,4 Mrd. Euro) angekündigt. Auch Singapur hatte Wirtschaftsmaßnahmen angekündigt. (APA/Reuters)

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