AOL Time Warner wieder mit Gewinn

23. April 2003, 18:36
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Quartalszahlen der Internet-Division AOL überraschen Experten - Ergebnis steigt um 14 Prozent

New York - Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat durch Erfolge im Film- und TV-Geschäft sowie Kostensenkungen bei der krisengeschüttelten Internetsparte AOL im ersten Quartal 2003 wieder einen Gewinn erzielt. Nachdem AOL Time Warner im Vorjahr mit 54,24 Mrd. Dollar den höchsten jemals verbuchten Quartalsverlust einer US-Firma erzielt hatte, wies der Konzern am Mittwoch nun einen Nettogewinn von 396 Mio. Dollar oder neun Cent je Aktie aus.

AOL mit Kursgewinnen

Vor allem die Entwicklung des weltgrößten Internetanbieters AOL, mit dem der Medienkonzern Time Warner im Jahr 2000 fusionierte, überraschte die Experten. "Die Online-Sparte scheint ihre Kosten unter Kontrolle zu haben", sagte Jordan Rohan, Analyst der SoundView Technology Group. Gleichzeitig bekräftigte AOL Time Warner die Prognosen für das gesamte Jahr 2003.

An der New Yorker Börse reagierten die AOL-Aktien mit Kursgewinnen auf die Zahlen und stiegen im frühen Handel um mehr als vier Prozent auf 13,86 Dollar.

Umsatzplus

Der hochverschuldete Medienkonzern, der in den vergangenen Wochen vor allem wegen der Untersuchung seiner Bilanzpraktiken in die Schlagzeilen geraten war, gab am Mittwoch ein Umsatzplus für das erste Quartal von sechs Prozent auf fast zehn Mrd. Dollar bekannt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 14 Prozent auf zwei Mrd. Dollar.

Vor allem das Kabelfernsehgeschäft, zu dem die Kanäle CNN und HBO gehören, sowie Kinohits wie "Der Herr der Ringe" und starke DVD-Verkäufe hätten das Quartalsergebnis gestützt, hieß es zur Begründung. Die anhaltende Schwäche der Musiksparte sowie der Einbruch der Werbeeinnahmen bei der Internettochter AOL habe sich aber negativ auf Umsatz und Cashflow ausgewirkt.

Mehrere Geschäftsbereiche vor Verkauf

Der von den Investoren besonders beobachtete Schuldenstand stieg in den drei Monaten bis Ende März auf 26,3 Mrd. Dollar nach 25,8 Mrd. Ende 2002. Zum Schuldenabbau hat AOL Time Warner den Verkauf mehrerer Geschäftsbereiche angekündigt, unter anderem die Kabelnetze und die Buchsparte. Den Verkauf seines Anteils am Kabel-TV-Sender Comedy Central an den Partner Viacom für rund 1,2 Mrd. Dollar hatte AOL Time Warner bereits zuletzt bekannt gegeben. Am Mittwoch bestätigte der Konzern, er erwäge auch den Verkauf des Musikproduktionsgeschäfts. Die Überlegungen dazu seien aber noch in einem frühen Stadium.

Die Umsätze der Online-Sparte sanken im Auftaktquartal zwar leicht auf 2,2 (Vorjahr: 2,29) Mrd. Dollar, der operative Gewinn legte aber um 18 Prozent auf 404 (343) Mio. Dollar zu und übertraf damit die schwächere Prognose vieler Analysten.

Für das laufende Jahr rechnet AOL Time Warner weiter mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich und einem moderaten Anstieg des Ebitda. Die Internetsparte AOL werde einen Einbruch der Werbeeinnahmen von bis zu 45 Prozent verkraften müssen, der Umsatz solle dennoch stabil bleiben. (APA/Reuters)

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