Weniger Beschwerden beim Werberat

23. April 2003, 13:53
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2002 gingen insgesamt 174 Beschwerden ein - NÖM-Werbung mit 66 Spitzenreiter - ÖWR sah meistens "keinen Grund zum Einschreiten

Wien - Keinen echten "Aufreger" hatte das Werbejahr 2002 aufzuweisen: Der Österreichische Werberat (ÖWR) verzeichnete "deutlich weniger Beschwerden als 2001", sagte Heinrich Schuster, Präsident des Organs zur Selbstkontrolle der heimischen Werbebranche, am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresberichts. Insgesamt langten 174 Beschwerden ein, 28 Kampagnen wurden beanstandet. 2001 waren es noch 248 Beschwerden gewesen, die sich auf 32 Kampagnen bezogen hatten.

Meistens "kein Grund zum Einschreiten"

Die Mehrzahl der eingebrachten Beschwerden betrafen im Jahr 2002 die Punkte Erniedrigung von Menschen (70), Diskriminierung von Frauen (25), Sexistische Werbung (21), Gefährdung von Kindern (7), täuschende Werbemaßnahmen (5) sowie Ethik und Moral (1). In zwei Fällen wurden beanstandete Kampagnen auf Grund der Aufforderung des Werberats zum sofortigen Stopp eingestellt; einmal gab es die Aufforderung, "in Zukunft sensibler vorzugehen". In den meisten Fällen aber sah der ÖWR keinen Grund zum Einschreiten.

Neues Frauenbild "verdrängt" frauediskriminierende Kampagnen

Frauendiskriminierende Kampagnen seien übrigens insgesamt eher im Abnehmen, hieß es am Mittwoch: Ein "anderes Frauenbild", wie es in der Realität bereits Faktum sei, beginne sich nun auch in der Werbewelt durchzusetzen, so die Einschätzung des ÖWR-Präsidenten und seiner Stellvertreter Gerd Schütz und Paul Schauer.

Aufreger 2001

Im Jahr 2001 hatte vor allem "Rita", eine junge Frau, die bei der Erwähnung von Fondssparplänen in einem Erste Bank-Spot in akute sexuelle Erregung geriet, für einen Run auf den Werberat gesorgt. Eine würdige Nachfolgerin für Rita gab es 2002 - erfreulicherweise, wie Schuster und seine Präsidiumskollegen betonten - nicht. Mit Abstand die meisten Beschwerden, nämlich 66, langten im Vorjahr zu einem Werbespot für NÖM-Joghurt ein.

Man bringe zusammen, "was von Natur aus zusammengehört", versprach der Molkereikonzern in dem Spot und illustrierte dies mit Früchten und Joghurt, aber auch "Mann und Frau". Schwulen- und Lesbenorganisationen sahen darin eine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, es folgten die zahlreichen Beschwerden beim Werberat. Dieser befand aber schließlich, dass es keinen Grund zum Einschreiten gebe, "da ja niemand verunglimpft wurde", wie Schuster am Mittwoch erläuterte. NÖM hat den Claim mittlerweile dennoch abgeändert.

Drittmeisten Beschwerden für Werberat selbst

Platz zwei im Beschwerdenranking mit 19 Eingaben ging an die Bäcker-Kampagne "Das Körberl", in dem eine barbusige Frau in Lederhose die Vorzüge frischer Semmeln kommunizieren sollte. Diese Kampagne wurde laut Schuster nach Intervention des ÖWR von der ausführenden Agentur eingestellt. Die drittmeisten Beschwerden verzeichnete indes der Werberat selbst: Für die Illustration seiner Homepage mit einem Sujet einer früher beanstandeten Kampagne. Das Bild wurde inzwischen entfernt. (APA)

  • Ja, ja, die Natur treibt sie zusammen: Mann und Frau, Frucht und Joghurt ...
    foto: hochegger | com
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