Michael Haneke - Österreichs Fixstern in Cannes

23. April 2003, 13:31
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Sämtliche Kinoarbeiten Hanekes wurden in Cannes präsentiert, dieses Jahr zum vierten Mal im Wettbewerb

Wien - Michael Haneke ist Österreichs Fixstern am Kinohimmel von Cannes. Der erfolgreichste der heimischen Filmemacher hat bisher alle seine Kinoarbeiten an der Croisette präsentiert. Für eine Goldene Palme gilt Haneke als längst überfälliger Kandidat, doch auch heuer wird es diese Auszeichnung nicht geben. Denn mit seinem neuen Film "Wolfzeit" ist er zwar zum vierten Mal im Wettbewerb vertreten - diesmal allerdings außer Konkurrenz.

Als heimlicher Sieger wurde Haneke aber ohnehin schon vor zwei Jahren gefeiert: Damals gewann seine Literaturverfilmung "Die Klavierspielerin" nach Elfriede Jelinek nicht nur den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, sondern auch die beiden Schauspielpreise (an Isabelle Huppert und Benoit Magimel). "Die Klavierspielerin" bedeutete für Haneke auch den kommerziellen Durchbruch: Der Film wurde in rund 50 Länder verkauft und zog über zwei Millionen ZuseherInnen an.

Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag bei den Filmfestspielen in Cannes und zugleich der Aufsehen erregendste und umstrittenste.

Der Titel seines neuen Films "Wolfzeit", ein Begriff aus der isländischen Mythensammlung "Edda", bezeichnet die Zeit unmittelbar vor dem Weltende. Der Film über einer Familie, die nach einer Katastrophe aus der Großstadt aufs Land flüchtet, hat nach dem 11. September 2001 noch zusätzliche Aktualität erhalten. Isabelle Huppert spielt in der erstmals rein französisch besetzten österreichisch-französischen Koproduktion wieder eine Hauptrolle, neben Beatrice Dall und Jury-Präsident Patrice Chereau.

Sein Debüt in Cannes gab Haneke 1989 mit seinem Kinoerstling "Der siebente Kontinent". Die mit diesem Film begonnene "Trilogie der emotionalen Vereisung", zu der auch "Benny's Video" gehört, schloss er 1994 mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wahl-Franzose seine unverwechselbare filmische Sprache, die in Dramaturgie, Bildfindung und Erzählweise stets Verweise auf das Ungesagte zu geben sucht, bereits zur Perfektion entwickelt und sich in der Fachwelt den Ruf eines eigenwilligen, unbeirrbaren Filmkünstlers erworben. Für seinen Streifen "Code Inconnu" (2000) gewann er die französische Actrice Juliette Binoche, die auch in seinem nächsten Film "Cache" - über den Algerienkrieg - mitspielt.(APA)

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    Regisseur Michael Haneke, 2001, im Hintergrund das Filmplakat zu "Die Klavierspielerin"

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