Embryonale Stammzellen durch Jungfernzeugung

23. April 2003, 19:50
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Bisher sind solche Versuche nur mit Gewebe von Affen und Mäusen gelungen

London - US-Forscher haben erstmals embryonale menschliche Stammzellen per Jungfernzeugung und nicht durch Klonen entstehen lassen. Daraus könnte sich eine weitere Alternative zur umstrittenen Forschung mit embryonalen Stammzellen entwickeln, hoffen die Wissenschafter.

Stimulation mit elektrischen Impulsen

Wie das britische Fachmagazin "New Scientist" berichtet, gelang es David Wininger und Kollegen vom Biotech-Unternehmen Stemron (Maryland), unbefruchtete Eizellen bis zum Blastozysten-Stadium durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) wachsen zu lassen. Aus diesem Embryo-Stadium können Forscher Stammzellen gewinnen. Bei dem nun angewandten Verfahren teilt sich die unbefruchtete Eizelle, stimuliert durch elektrische oder chemische Impulse.

Bisher waren derartige Versuche nur mit unbefruchtetem Gewebe von Affen und Mäusen gelungen. Der nächste Schritt ist es nun, auch die menschlichen Stammzellen in einer Kultur unbefristet weiterwachsen zu lassen. Säugetier-Embryonen, die parthenogenetisch entstanden, können nach Forscher-Auskunft nicht zu lebensfähigen Babys, sondern nur zu einzelnen Geweben heranwachsen. Damit würden bei ihnen auch ethische Einwände entfallen, wonach die Entnahme von Stammzellen entwicklungsfähiges Leben zerstört.

Zwei identische Chromosomenpaare

Parthenogenetisch erzeugte Stammzellen haben nach Auffassung von Wininger den Vorteil, dass sie aus zwei identischen Chromosomenpaaren und nicht aus einem mütterlichen und einem väterlichen Teil entstanden sind. Dadurch hätten sie weniger Variationen in den Oberflächen-Proteinen, was bei einer Transplantation des Gewebes wiederum weniger Immunreaktionen hervorrufe.

Einen Nachteil hat das Verfahren jedoch auch: Da dazu unbefruchtete Eizellen nötig sind, funktioniert es Frauen jenseits der Menopause und bei Männern bisher nicht. Wininger hofft jedoch, dass eine umfangreiche Bank mit parthenogenetisch erzeugten Stammzellen in Zukunft auch Männern und älteren Frauen weiterhelfen könnte. (APA/dpa)

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