Gesundheitsmerkmal Gen-Profil

23. April 2003, 13:02
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Polymorphismen erlauben individuelle Gesundheits-Risiko-Bestimmung

Wien - Wenn Kind und Enkelkind dieselben Krankheiten wie die Vorfahren treffen, ist es bereits zu spät. Doch in Zukunft wird man zunehmend frühzeitig - noch vor dem Auftreten einer Erkrankung - individuelle Gen-Profile erstellen, um das persönliche Risiko des Einzelnen zu bestimmen. Das erklärte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der Vorstand der gynäkologischen Abteilung am Donauspital, Univ.-Prof. Dr. Karl Philipp.

"Ich bin überzeugt, dass man sich in einigen Jahren schon im Alter von zwanzig Jahren eine relevante frühe Gen-Polymorphismus-Analyse erstellen lassen wird. Damit man seinen Life-Style so ausrichtet, dass man später nicht an Atherosklerose etc. erkrankt", sagte Philipp.

Korrelationen

Die Aussagekraft bestimmter solcher definierter und relativ häufig auftretender Gen-Varianten untersuchen die Ärzte an der Abteilung am SMZ-Ost (Donauspital) im Bereich der Geburtshilfe und der Gynäkologie. Der Fachmann: "Wir haben Frauen, die an schweren Schwangerschaftskomplikationen gelitten haben, noch einmal 'einberufen' und untersucht."

So korrelieren beispielsweise bestimmte Mutationen mit dem Auftreten von Schwangerschafts-Bluthochdruck, Wachstumsverzögerung beim Ungeborenen, frühzeitiger Plazenta-Ablösung und/oder Thrombosen. Mit der EPH-Gestose (Schwangerschafts-Bluthochdruck, Präemklampsie) steht offenbar eine Mutation im Gen für das Enzym Methyl-Tera-Hydro-Folsäure-Reduktase (MTFR; für den Folsäure-Stoffwechsel wichtig) in direkter Verbindung. 60 Prozent der betroffenen Frauen hatten eine solche Mutation, hingegen nur 20 Prozent der nicht Betroffenen.

Intensivere Betreuung

Eine ähnliche Beobachtung gibt es auch bei Raucherinnen. Philipp: "Wir konnten bei ihnen nachweisen, dass jene Frauen, die einen so genannten CYP1A1-Polymorphismus aufwiesen, schwer wachstumsretardierte Kinder bekamen." - Bei Schwangeren ohne diese Gen-Variante wirkt sich das Rauchen nicht derart dramatisch auf das Ungeborene aus.

Der Zukunftsaspekt: Durch die Identifizierung von Hoch-Risiko-Personen auf Grund individueller Gen-Profile könnten diese intensiv in Schwerpunktkrankenhäusern betreut werden. Beim Rest könnte man sich diese Maßnahmen ersparen. (APA)

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