Schiitische Spezialkräfte aus dem Iran dringen angeblich im Südirak ein

23. April 2003, 12:46
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New York Times vermutet Versuch von iranischen Schiiten, im Irak das Modell einer islamischen Regierung zu propagieren

Washington - Schiitische Spezialkräfte aus dem Iran dringen nach Informationen der "New York Times" zur Unterstützung ihrer Glaubensgemeinschaft im Südirak ein. Während der großen schiitischen Pilgerfahrt nach Kerbala seien Mitglieder der El-Badr-Brigaden sowie der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) in den Irak gekommen, berichtete die US-Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf US-Geheimdienstberichte. Nach dem Sturz des Regimes von Präsident Saddam Hussein wollten die iranische Schiiten verbündete Geistliche im Südirak unterstützen und möglicherweise das iranische Modell einer islamischen Regierung propagieren, wurde ein US-Regierungsbeamter zitiert: "Es geht ihnen nicht darum, Demokratie zu verbreiten." Washington habe den Einfluss der Schiiten im Irak unterschätzt, sagte der Beamte dem Blatt.

USA befürchten Radikalisierung bei Machtübernahme durch Schiiten

Bei einer Machtübernahme der schiitischen Bevölkerungsmehrheit nach iranischem Vorbild befürchteten die USA eine Radikalisierung in Bagdad, sagte der Regierungsbeamte. Ein Sprecher des im Iran ansässigen Obersten Rats für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) sagte der "New York Times", seine Gruppe werde keinen Vertreter zu dem für Samstag geplanten Treffen unter US-Aufsicht in Bagdad schicken. Der Irak müsse selbst über seine Regierung entscheiden. Die größte schiitisch-irakische Oppositionsgruppe hatte bereits ihre Teilnahme an dem ersten von den USA geleiteten Irak-Treffen in Nassiriyah vergangene Woche abgesagt.

USA schließen Waffenstillstand mit Volks-Mujaheddin

Die US-geführten Streitkräfte im Irak haben am Dienstag mit den auf der Liste der terroristischen Organisationen stehenden iranischen "Volks-Mujaheddin" einen Waffenstillstand geschlossen. Die laufenden Gespräche dienten auch dem Ziel, den künftigen Status der "Volks-Mujaheddin" festzulegen, sagte US-General Vincent Brooks. In Teheran forderte der Oberkommandierende der islamischen Revolutionsgarden (Pasdaran), Yahya Rahim Safavi, die USA auf, den Führer der Organisation mit der Bezeichnung "Nationaler Widerstandsrat Iran", Massud Rajavi, unverzüglich an den Iran auszuliefern, "um zu beweisen, dass ihr Kampf gegen den internationalen Terrorismus glaubwürdig ist." Die 1965 gegründete Bewegung der Volks-Mujaheddin ist die wichtigste bewaffnete iranische Oppositionsgruppe.(APA)

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