Privates und öffentliches TV kandidieren für "französische CNN"

23. April 2003, 12:16
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France Televisions, TF1 und Canal Plus gehen ins Rennen

Sowohl das öffentlich-rechtliche Fernsehen France Televisions und der Hörfunk Radio France International (RFI) als auch die privaten TV-Anstalten TF1 (Gruppe Bouygues) und Canal Plus (Gruppe Vivendi) wollen sich an der Errichtung eines Non-Stop-Nachrichtensenders nach dem Modell der US-amerikanischen CNN beteiligen. Nach Angaben der Betriebsleitungen haben France Television und RFI, sowie die beiden Privatsender drei getrennte Kandidaturprojekte bei der französischen Regierung eingereicht.

"CNN a la francaise"

Premierminister Jean-Pierre Raffarin (UMP) hatte Ende März einen Ideenwettbewerb für die Errichtung diese "CNN a la francaise" ausgeschrieben. Die Idee für einen französischen Nachrichtensender von internationalem Format brachte Chirac erstmals während des Präsidentenwahlkampfs im Frühjahr 2002 vor. Die Meinungsverschiedenheiten zum Irak-Krieg zwischen Paris und Washington beschleunigten den Willen Frankreichs, den eigenen Ansichten ein internationales Echo zu verschaffen.

TF1 stützt seine Kandidatur auf die Erfahrung mit dem Non-Stop-Nachrichtensender LCI, der via Kabel und Satellit ausgestrahlt wird. Die Bouygues-Tochtergesellschaft will eine gemischte Gesellschaft errichten, die sich zur Hälfte in privater und zur Hälfte in öffentlich-rechtlicher Hand befindet. Das öffentliche Fernsehen soll zu der Gesellschaft vor allem durch sein internationales Korrespondentennetz beitragen, so TF1.

Internationale Vertriebs-Plattform

Auch Canal Plus unterstreicht in seiner Kandidatur die Erfahrung mit dem eigenen Non-Stop-Nachrichtensender i-television. Überdies verfügt die Vivendi-Tochter über die internationale Vertriebs-Plattform Media Overseas, die bereits 47 Länder deckt. Mittels des Vertriebsnetzes MultiThematiques ist Canal Plus in mehr als 30 Ländern anwesend. Auch die Vivendi-Tochter erklärt sich zu einer Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen bereit.

France Televisions und RFI haben anderen französischen Medien wie etwa der Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) oder den TV-Sendern Euronews, RFO, TV5, TVFI, CFI, LCP-AN und Public Senat vorgeschlagen, sich an ihrem Projekt zu beteiligen. Das öffentliche Fernsehen will sich zunächst an die französischsprachige Bevölkerung im Ausland richten und dieser einen autonomen Blick auf das internationale Geschehen liefern, hieß es. AFP hat allen drei Kandidaten ihre Mitarbeit angeboten.

Die französische Regierung muss noch einen genauen Terminkalender für die Errichtung des neuen Senders und dessen künftiges Budget festlegen. Der ehemalige Präsident des Medienaufsichtsrates CSA, Herve Bourges, hatte von einem möglichen Budget von 150 Mio. Euro gesprochen. (APA)

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