Pilger in Kerbala fordern islamische Regierung

23. April 2003, 18:02
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Eine Million Schiiten bei Wallfahrt - Erneut Abzug der USA aus dem Irak gefordert

Kerbala - Nach jahrzehntelanger Unterdrückung sind am Mittwoch schätzungsweise eine Million Schiiten zum Schrein des Imam Hussein in der heiligen Stadt Kerbala gepilgert. Am Rande der religiösen Feierlichkeiten ist es neuerlich zu antiamerikanischen Aufrufen gekommen. Demonstranten skandierten Parolen wie "Tod Amerika!" und "Tod Israel!", wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA aus Kerbala berichtete. Sie forderten für den Nachkriegs-Irak eine islamische Regierung, den Aufbau eines islamischen Staates und den sofortigen Abzug der amerikanischen Streitkräfte. Nach IRNA-Angaben versammelten sich bis zum Mittag "mehrere Millionen" Schiiten an der Grabmoschee des als Märtyrer verehrten Enkels des Propheten Mohammed.

Die schiitischen Pilger in Kerbala schlugen sich auf die Brust, ritzten mit Schwertern Wunden in ihre Kopfhaut und geißelten sich mit Ketten, bis sie bluteten. Rund 60 Prozent der irakischen Bevölkerung sind Schiiten. Sie wurden unter den bisherigen, von Sunniten dominierten Regierungen unterdrückt. Die Feierlichkeiten zum Tod von Imam Hussein hatten 1977 zum letzten Mal in dieser Form stattgefunden. Damals waren zahlreiche Pilger auf ihrem Weg nach Kerbala von Sicherheitskräften getötet worden.

Ein führender Geistlicher, Abdulaziz Hakim, stellvertretender Vorsitzender des im Iran ansässigen Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), rief die Schiiten im Süden des Landes dazu auf, ihr Schicksal nicht von Ausländern bestimmen zu lassen.(APA/AP/dpa)

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