Spitals-Affäre Gmunden: Vorerhebungen eingestellt

23. April 2003, 12:10
posten

Suspendierter Arzt arbeitet nach Untersuchung wegen Verdacht auf Behandlungsfehler wieder - Verfahren wurde eingestellt

Linz - In der angeblichen Spitals-Affäre am Landeskrankenhaus Gmunden in Oberösterreich hat die Staatsanwaltschaft Wels jetzt alle Vorerhebungen eingestellt. Gegen den beschuldigten früheren Primar der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses wird kein Strafverfahren eingeleitet. Der Anwalt des Ex-Primars, Aldo Frischenschlager, dazu in einer ersten Stellungnahme: "Mein Mandant ist natürlich froh, dass er damit voll rehabilitiert ist, aber das ändert nichts daran, dass seine berufliche Laufbahn durch die ganze Angelegenheit entscheidend negativ beeinflusst wurde".

Die angebliche Affäre hatte im Herbst 2001 für großes Aufsehen gesorgt. Der Gynäkologie-Primar des Landeskrankenhauses Gmunden geriet in den Verdacht, er habe bei Krebspatientinnen Behandelungsfehler begangen. Der Mediziner wurde daraufhin vom Dienst suspendiert, gerichtliche Ermittlungen wurden eingeleitet. Der Primar selbst beteuerte seine Unschuld, es gehe lediglich um unterschiedliche Auffassungen über die medizinischen Standards bei bestimmten Krebsbehandlungen.

Vorerhebungen

Die Staatsanwaltschaft Wels ließ im Rahmen der Vorerhebungen zahlreiche Krankengeschichten untersuchen und gerichtliche Gutachten erstellen. Diese bestätigten den Verdacht von Behandlungsfehlern nicht, daher erfolgte jetzt die Einstellung des Verfahrens gegen den Gynäkologen, bestätigte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der APA. Die Suspendierung des Primars war bereits im Mai vergangenen Jahres wieder aufgehoben worden. Der Arzt selbst ist inzwischen als Landesbediensteter pensioniert, er hat eine Privatpraxis eröffnet.

Die oberösterreichische Ärztekammer bezeichnete am Mittwoch in einer Aussendung die angebliche Affäre als "Sturm im Wasserglas", aber "was bleibt ist ein schwer geschädigter Ruf eines unschuldigen Arztes", so Ärztekammer-Präsident Otto Pjeta. Und der Obmann der Kurie der angestellten Ärzte in Oberösterreich, Harald Mayer, stellte fest: "Durch voreilige Veröffentlichungen und Vorverurteilungen werden ärztliche Existenzen zerstört, das sollte man aus diesem Fall lernen".

Unabhängige "Gutachterstelle"

Die Ärztekammer spricht sich in diesem Zusammenhang für die Einrichtung einer unabhängigen "Gutachterstelle" aus, die bei Vorwürfen gegen einen Arzt eine erste medizinisch-fachliche Abklärung vornimmt, "ehe der gesamte Apparat der Publizierung in Betrieb genommen wird", so Ärztevertreter Mayer. Und Pjeta betonte: "Man sollte auch eines nicht vergessen: Eine Komplikation, wie sie in der Medizin immer wieder vorkommen kann, ist noch lange kein Behandlungsfehler". (APA)

Share if you care.