Schulen in Peking geschlossen

23. April 2003, 16:20
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Pekinger verlassen aus Furcht vor SARS die Stadt - Über 100 neue Fälle pro Tag - Philippinisches Dorf unter Quarantäne

Peking - Im Kampf gegen die Lungenkrankheit SARS greifen die Regierungen in China und anderen asiatischen Ländern zunehmend zu drakonischen Maßnahmen.

Schulen geschlossen

In Peking fahndeten am Mittwoch Hunderte Ermittler nach Menschen mit Symptomen des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms. Die Schulen der Hauptstadt wurden für einen Monat geschlossen. Die Regierung von Singapur will Verstöße gegen die Quarantäne mit Haft bestrafen. Weltweit wurden 16 neue Todesfälle und hunderte neue Erkrankungen gemeldet. Das für die Lungenkrankheit verantwortliche Virus verändert sich einem chinesischen Wissenschafter zufolge schnell.

Drastische Meldepflicht

In ganz China galt nach Angaben der chinesischen Medien eine umfassende und drastische Meldepflicht für Krankheitsfälle. "Kein einziger Fall darf unentdeckt bleiben", sagte der Chef der Kommunistischen Partei von Peking, Liu Qi. Von der Schließung der Grund- und Mittelschulen in Peking sind 1,7 Millionen Kinder betroffen. Mit der Maßnahme werden die am Freitag beginnenden zweiwöchigen Maiferien um mindestens zwei Wochen verlängert.

Pekinger verlassen aus Furcht vor SARS die Stadt

Auf dem Bahnhof von Peking versammelten sich tausende Menschen mit Atemschutzmasken. Viele erklärten, sie wollten wegen der Lungenkrankheit zu ihren Familien außerhalb der Stadt fahren. Die Stadt Schanghai wies alle Unternehmen an, Arbeiter für den Maifeiertag nicht nach Hause reisen zu lassen.

Laut den staatlichen Medien wurden mehrere Menschen unter dem Vorwurf festgenommen, sie hätten über das Internet Gerüchte über SARS verbreitet. Am 11. April hatte ein Surfer mit dem Decknamen "Steven Shen" im Web berichtet, 143 Pekinger seien an einer unerkannten Krankheit gestorben. In Singapur kündigte Regierungschef Goh Chok Tong eine Gesetzesvorlage an, die Gefängnisstrafen für Bürger vorsieht, die sich nicht an die Quarantäne-Regelungen halten.

Weltweit bisher mehr als 4.300 SARS-Fälle gemeldet

In China starben neun weitere Menschen an SARS, in Hongkong wurden sechs neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen stieg in China auf 2.305 und in Hongkong auf über 1.400. In Kanada wurden acht neue Infektionen festgestellt, in Indonesien ein zweiter und in Australien ein vierter Fall. In einem Krankenhaus in Taiwan zeigten sieben Mitarbeiter die Symptome der Krankheit. Ein russischer Geschäftsreisender wurde nach einer China-Reise in Jakutsk unter Quarantäne gestellt. Weltweit wurden bisher mehr als 4.300 SARS-Fälle gemeldet; mindestens 248 Menschen starben an der Krankheit.

Mieten werden in Hongkong gesenkt

Die Stadtregierung von Hongkong legte wegen SARS ein milliardenschweres Hilfsprogramm auf. Unter anderem seien Nachlässe bei Gebühren, Mieten und Steuern für die am meisten betroffen Branchen und Einwohner vorgesehen, kündigte der Chef der Stadtverwaltung, Tung Chee-hwa, an.

Krisengipfel

Mehr als 60 Mediziner aus China, Taiwan, Hongkong und Macau berieten am Mittwoch in Peking über Maßnahmen zur Behandlung und Bekämpfung von SARS. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao und der vietnamesische Regierungschef Phan Van Khai sagten ihre Teilnahme am für den 29. April geplanten Krisengipfel des Verbandes südostasiatischer Staaten (ASEAN) in Bangkok zu. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzten ihre Ermittlungen in Schanghai fort und bezeichneten die örtlichen Behörden als "sehr hilfreich".

Kanada- 15 Tote

Die Chefin der US-Zentren für Infektionskrankheiten (CDC) in Atlanta, Julie Gerberding, äußerte sich pessimistisch zu den Chancen für eine Eindämmung der Krankheit. "Wir sind noch nicht in der Lage, vorauszusagen, wie es weiter geht und welche Ausmaße es letztlich annehmen wird." Derzeit liege die Sterblichkeitsrate bei 5,9 Prozent. Wer im kanadischen Toronto war, bekommt künftig bei der Einreise in die USA schriftliche Warnhinweise. In Kanada starben bis Dienstagabend 15 Menschen an SARS.

Der chinesische Genetiker Yang Huanming sagte der "Washington Post", SARS-Viren aus der südchinesischen Provinz Guangzhou, in den USA und Kanada seien ähnlich. Michael Lai von der Universität von Südkalifornien (USC) sagte der US-Zeitung, entscheidend sei nun herauszufinden, ob das Virus sich im Laufe der Zeit abschwäche oder noch ansteckender werde.

Indien - Mit Infektion zur Hochzeit

In einer Stadt im Westen Indiens löste ein möglicher Ausbruch von SARS Angst aus. Eine Braut war in Pune trotz nachgewiesener Infektion zu ihrer Hochzeit erschienen. Sie wurde gemeinsam mit dem Bräutigam, ihrer Mutter und einigen Gästen unter Quarantäne gestellt. Ärzte des Krankenhauses von Pune zwangen die Gruppe jedoch, in ein Krankenhaus der Regierung zu übersiedeln.

Vier neue Verdachtsfälle in der Schweiz

In der Schweiz sind vier weitere SARS-Verdachtsfälle aufgetreten. Es handelt sich um zwei Frauen und zwei Kinder, die sich in Hongkong aufgehalten hatten. Entwarnung gab es inzwischen im Verdachtsfall im Halbkanton Obwalden. Wie das Bundesamt für Gesundheit am Dienstagabend über Internet mitteilte, handelt es sich bei den neuen Verdachtsfällen um eine 46- und eine 34-jährige Frau aus der Zentral- und der Ostschweiz sowie um zwei Buben im Alter von fünf und drei Jahren.

Bei einer der Frauen und einem der Kinder sei der Gesundheitszustand stabil, die beiden anderen seien auf dem Weg der Genesung. Insgesamt sind in der Schweiz bisher somit ein wahrscheinlicher Fall und vier Verdachtsfälle registriert worden.(APA/dpa)

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