Guantanamo: US-Militär steckt Kinder hinter Gitter

23. April 2003, 10:53
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Unter 16-Jährige unter den Terror-Verdächtigen - Menschenrechtsgruppen empört

San Juan - Unter den von den USA auf Kuba gefangen gehaltenen Terrorverdächtigen sind auch Jugendliche unter 16 Jahren, wie das US-Militär am Dienstag bestätigte. Sie seien getrennt von den erwachsenen Gefangenen, aber alle wurden "gefangen genommen als aktive Kämpfer gegen die US-Streitkräfte", wie US-Oberstleutnant Barry Johnson sagte. Wie viele es sind, wollte er nicht mitteilen.

Menschenrechtsgruppen reagierten empört. "Dass die USA nichts dabei finden, Kinder in Guantanamo festzuhalten und zu verhören, ist ein schockierender Hinweis darauf, wie anmaßend die Bush-Regierung in Bezug auf die Achtung der Menschenrechte inzwischen geworden", sagte Alistair Hodgett, Sprecher von amnesty international (ai).

James Ross von "Human Rights Watch", erklärte, das sei nur ein Hinweis darauf, dass die USA nie den rechtlichen Status der in Guantanamo Festgehaltenen geklärt hätten. "Dass Kinder dort festgehalten werden, macht die Sache nur noch schlimmer", sagte Ross. Die USA halten auf ihrem Stützpunkt Guantanamo 660 Männer aus 42 Ländern fest, die sie verdächtigen, Verbindungen zur Organisation Al Kaida von Osama bin Laden oder den afghanischen Taliban zu haben. Bisher wurde keine Anklage erhoben, sie haben keine Rechtsanwälte. Es gab nach US-Angaben in Guantanamo 25 Selbstmordversuche.

Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte in einem Beitrag für die "Washington Post" geschrieben: "Hinsichtlich der Gefangenen in Guantanamo erklärt der Verteidigungsminister (Donald Rumsfeld), dass man sie selbst dann nicht freilassen würde, wenn sich ihre Unschuld erwiesen hätte. All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind. (...) Bei uns im eigenen Land wurden amerikanische Bürger als Feinde inhaftiert, ohne Anschuldigung und ohne juristischen Beistand." Beliebige Ausländer, die "antiamerikanischer Aktivitäten" verdächtigt werden, wird der Status vorenthalten, der jedem nach amerikanischem Gesetz bei einem Delikt zusteht.(APA/AP)

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