Sex und Technik

23. April 2003, 04:00
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Das Thema wird immer weiter ausgepresst – dafür eine Zitrone

Computermagazine sind ja für ihre trockene Aufmachung bekannt. Zehnseitige Artikel ohne großen grafischen Schnickschnack, "aufgelockert" lediglich durch Diagramme, Kontaktadressen und Produkttests prägen das Erscheinungsbild der fetten Schwarten. Der (männliche) Umgang mit der Maschine füllt in den allermeisten Fällen die Seiten und offenbar erscheint das viel zu einnehmend, als dass noch Platz für sexistische Verwertung von Genderrollen wäre.

Die in den Computermagazinen geschaltete Werbung widerspricht dann allerdings oft dem pseudo-programmatischen Sprachgebrauch der AutorInnen. Frauen scheinen hier als Werbeträgerinnen die "Geschlechtslosigkeit" wettzumachen, bezeichnenderweise in einer dümmlichen Pose. Gerade in der spröden, ungestylten Umgebung der PC-Fachzeitschriften fallen die sexistischen Repräsentationsformen von Weiblichkeit besonders auf.

Am Beispiele der letzten Ausgaben des deutschen Magazins c’t, die uns Leser Georg S. freundlicherweise zukommen ließ, zeigt sich das Ausmaß der Wahrnehmung Marke "Frauen und Technik". Eine Frau "blöder" als die Andere stellt sich in den Sujets an, die weiten Welten des Internets zu erforschen bzw. erst mal rein zu kommen. Unter dem Leitsatz "Seid Netz zueinander" wirbt der deutsche Modemhersteller devolo beispielsweise mit einer jungen Frau, die über ein Post-It ihres Freundes schmunzelt, in der er ihr zuspricht: "Mit dem Netzwerk kommst sogar du klar!" oder auf einem weiteren Foto: "Stell dir einfach eine Mischung aus Mixer, Toaster und Mikrowelle vor!"

Jetzt stellt sich wieder einmal die Frage: Muss das sein? Wo steht geschrieben, dass technik-interessierte Menschen eine sexistisch ausgelegte Weltvorstellung und schlechten Humor besitzen? Nirgends. Außer in den Hirnen verzweifelt ausgepowerter "Kreativ"-ArbeiterInnen. Aber auch das wurde an dieser Stelle bereits des öfteren thematisiert.
Bleibt nur zu hoffen, dass die vielen PsychologInnen, MedientheoretikerInnen, FeminstInnen und TechnikerInnen nicht recht behalten und sich das hier zur Schau gestellte Frauenbild nicht auf die Psyche junger Frauen auswirkt, die vielleicht einmal vorhatten in die Welt der Technik einzutauchen. Ein "neutrales" Feld sähe auf jeden Fall anders aus. (freu)

23.04.2003

Ansichtssache

Frauen und Technik und Werbung

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    montage: diestandard.at
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