Serie "kompletter Fehlschläge"

22. April 2003, 20:33
2 Postings

Carnegie-Stiftung untersucht Demokratisierungsversuche der USA

Washington - "Freiheit und Demokratie" haben die USA den Irakern nach dem Sturz der Baath-Diktatur versprochen. Mit diesem Auftrag hat das Pentagon den pensionierten General Jay Garner als Chef einer künftigen Übergangsverwaltung eingesetzt, die dem US-Oberkommandierenden General Tommy Franks untersteht. Nimmt man die bisherigen amerikanischen Demokratisierungsversuche als Maßstab, stehen die Chancen für die Menschen im Irak allerdings schlecht.

Immer wenn Washington bisher versucht hat, nach Kriegen und Interventionen in anderen Ländern Ersatzregierungen zu installieren, hätten sich diese langfristig als "komplette Fehlschläge" erwiesen, stellten Experten der Carnegie-Stiftung, einem der wichtigsten US-Institute für Außenpolitik, fest. Von 16 Militärinterventionen, die Washington in den vergangenen hundert Jahren "im Namen der Demokratie" führte, erreichten demnach nur vier ihr Ziel: Zwei folgten auf eine Kapitulation (Deutschland und Japan 1945), zwei glückten in sehr kleinen Staaten (Panama 1989 und Grenada 1983).

Gescheitert sei das "nation-building" der USA in Haiti (1994-96), in Kambodscha (1970-73), Südvietnam (1964- 73) sowie bei mehrfachen Versuchen in der Karibik (Dominikanische Republik 1916-24, 1965-66), Kuba (1906-09, 1917-22) oder Nicaragua (1909-27). Eine Bilanz des Afghanistankrieges wollte Carnegie noch nicht ziehen, den Kosovokrieg nahm sie nicht in ihre Liste auf.

Um nicht Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, raten die Autoren der US-Regierung, die Federführung bei der Neuordnung des Irak der UNO zu übertragen und die wirtschaftliche Last zu verteilen. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 23.4.2003)

Share if you care.