Zweifel an Kaprun-Denkmal

22. April 2003, 20:01
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Angehörige der Katastrophenopfer bezweifeln Qualität der Entwürfe

Salzburg - Die Entscheidung, welche Form das Denkmal für die 155 Opfer der Brandkatastrophe von Kaprun haben soll, ist für den kommenden Monat angekündigt. Bis 4. Mai haben die Angehörigen der Opfer des größten Brandunglücks in der Geschichte der Zweiten Republik via Internet Gelegenheit, aus fünf Vorschlägen für eine überkonfessionelle Gedenkstätte ein Projekt auszuwählen.

Die Gedenkstätte soll bei der Talstation der Unglücksbahn errichtet werden. Organisiert wurde die Auswahl der Projekte vom Arbeitskreis "Gedenkstätte Kaprun" unter der Leitung der SP-Nationalratsabgeordneten Erika Scharer. Dabei handle es sich ausdrücklich um eine reine "Ideensuche" und keinen Wettbewerb, betont Scharer auf jener Internetseite, auf welcher die Projekte vorgestellt werden.

Kritik mehrerer Angehöriger

Hier setzt die Kritik mehrerer Angehöriger an. Die Architektin Karin Stieldorf etwa, die beim Brand der Kitzsteingams im November 2000 ihren Sohn verlor, bemängelt die geringe Anzahl der eingegangenen Projekte. Zudem sei eine Auswahl auf Basis einer Internet-präsentation für Laien "zu schwierig". Das Verfahren garantiere nicht, "dass ein Entwurf von hoher spiritueller und künstlerischer Qualität zur Ausführung gelangt".

Stieldorf schlägt eine "weitere Wettbewerbsstufe" vor. Nach einer internationalen Ausschreibung soll von einer gemischten Jury, der Angehörige und Fachleute angehören, ein Entwurf ausgewählt werden. Die derzeit vorliegenden Projekte sollen in diesen Prozess einbezogen werden. Der Strafprozess um die Brandkatastrophe am Kitzsteinhorn steht indes weiterhin still. Am Donnerstag wird die Hauptverhandlung zwar weitergeführt, dabei handelt es sich jedoch nur um einen formal notwendigen Termin.

Derzeit sichtet der neu berufene Brandsachverständige Helmut Prader jenes Material, das die Gendarmerie bei dem aus dem Verfahren ausgeschiedenen Gutachter Anton Muhr zu Hause gefunden hatte. Die deutsche Untersuchungsanstalt "Dekra" wiederum ließ ihre Unterlagen dem Landesgericht per Post zukommen. Die mit Inhalten ausgefüllte Fortsetzung der Verhandlung dürfte frühestens im Oktober dieses Jahres erfolgen. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 23.4.2003)

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