The Raveonettes: "Whip it on"

21. Oktober 2005, 15:36
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Something Is Rotten in the State of Denmark ...

Es wäre leicht, die Raveonettes - pardon: The Raveonettes - mit den seit zwei Jahren grassierenden "The"-Bands (Strokes, Vines, Hives , ...) in einen Topf zu werfen. Andererseits ... da schwimmt doch eh schon so viel drin herum.

Und außerdem wird es der Sache nicht ganz gerecht. Wer obige Bands mag, dürfte zwar auch an diesem Duo aus Dänemark seine Freude haben. Doch handelt es sich bei den anderen eben um Bands, die zwar mit den Mitteln der Vergangenheit (sprich: einem Sound von Velvet Underground bis The Jam) arbeiten, aber doch der Kultur der Gegenwart angehören.

60 ---> 80 ---> 2000

Sharin Foo und Sune Rose Wagner hingegen schauen in die Vergangenheit; zwiefach zudem. Mit campigen Texten, die einer 60ies-B-Movie-Welt voller Gummimonster und glamouröser Gangster verhaftet sind, erinnern sie an die t(h)rashige Neo-Beatszene der 80er Jahre. Bands wie die Fuzztones, Plasticland oder die Cynics (mit den besten Säge-Gitarren ever) beschworen damals in vermeintlicher, weil übersteigerter Reinkultur herauf, was andere (The Jesus and Mary Chain, vielleicht auch Loop) für die damalige Gegenwart zu adaptieren suchten.

An all das erinnern die Raveonettes gehörig; und nicht zu knapp auch an die ewigen Könige des schlechten Geschmacks in Rockbelangen: The Cramps. Die Debut-EP "Whip it on" - billig zu haben dafür, dass immerhin acht Titel drauf sind - verheißt jedenfalls einiges für den kommenden Longplayer. Zwischen superschnellen Garage-Rockern und kaum langsameren psychedelischen Stücken bewegt sich der Sound; weiter kann er auch nicht hinaus, wenn er sein selbstgewähltes Retro-Universum nicht verlassen soll. Eine paar Grundakkorde, Gitarren-Feedback, sorgfältig Richtung Billig-Mikro verzerrte Stimmen und dazu ein paar "zeitgemäße" Gimmicks (mal ein "Uhuuuu"-Chor, mal eine kleine stereophonische Spielerei ... jetzt hörst du die Gitarre rechts, jetzt wandert sie nach links - war ja auch mal eine neue Technologie, die demonstriert sein wollte) - von letzterem aber nicht zuviel; soll ja nicht aufdringlich wirken.

Dogmatisch

Und durch die Hintertür kommt sogar das Kino der Gegenwart herein: analog zu "Dogma"-Filmen (man kommt schließlich aus Dänemark) unterwerfen sich Sharin und Sune einigen strikten Regeln: kein Song länger als drei Minuten, keine Melodie mehr als drei Akkorde. Sehr angenehme Selbstbeschränkung, das.

Und was das Konzert-Erlebnis anbelangt: Beat-Punk ist - da beißt die Maus keinen Faden ab - die perfekte Live-Musik schlechthin. Ist ein bisschen wie Chili kochen - da kann man gar nichts falsch machen. (Josefson)

The Raveonettes: "Whip it on" (Sony 2003)

Die 8 Songs zum Reinhören

Webseite der Raveonettes
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    coverfoto: sony
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