Religiöse und politische Kundgebung

22. April 2003, 22:10
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Schiiten fordern Abzug der Amerikaner

Sie kommen in Massen, zu Fuß, in wackeligen Autos und in völlig überfüllten Bussen. Schon vor den Toren der heiligen Stadt Kerbala können die Pilger ihr in den vergangenen Jahrzehnten unerreichbares Ziel erspähen: Mit seiner goldenen Kuppel und vergoldeten Minaretten überragt die Grabmoschee Husseins die zentralirakische Stadt. "So etwas haben wir seit 30 Jahren nicht mehr gesehen", sagt Ali Ibrahim - und schaut staunend dem von grünen und schwarzen Fahnen begleiteten Strom der Männer hinterher, die auch Abbilder der von ihnen verehrten Imame vor sich hertragen.

In den engen Gassen und Straßen der Altstadt von Kerbala bricht die lange unterdrückte Trauer um den im Jahr 680 gestorbenen Märtyrer Hussein am Dienstag ungezügelt hervor: Schiiten geißeln sich mit Ketten, andere Pilger schlagen sich immer und immer wieder auf die Brust. Ihr Schmerz wird von Lobgesängen auf Hussein begleitet.

Die Polizisten auf den überfüllten Straßen in Kerbala bleiben im Hintergrund, sie lenken die Massen einigermaßen geordnet Richtung Grabmoschee. Vereinzelt ertönen religiöse Gesänge durch die Lautsprecher der Polizeiautos. US-Soldaten sind an diesem Dienstag in der Innenstadt von Kerbala weit und breit nicht zu sehen. "Truppen der USA, geht nach Hause" steht in englischer Sprache auf vereinzelten Transparenten.

"Nein zum Kolonialismus, nein zur Besatzung, nein zum Imperialismus", skandiert eine größere Gruppe, auch gibt es Rufe wie "Nein zu Israel", meist heißt es aber "Nein zu Amerika, nein zu Saddam, nein zur Tyrannei". Und auch Ali Ibrahim sagt: "Wir wollen die Amerikaner hier nicht." (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 23.4.2003)

Frank Zeller aus Kerbala
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