Forschung: Industrie droht mit Abwanderung

23. April 2003, 12:24
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Die Industriellenvereinigung ortet für heuer Finanzierungslücke von 200 Millionen Euro für Forschungsprojekte

Wien - "Wenn wir keine Finanzierungsplattform für unsere Forschungsprojekte mehr haben, dann müssen wir in anderen Ländern danach Ausschau halten", bringt es Markus Posch, bei Philips Österreich zuständiger Vorstand für Innovationen, im Gespräch mit dem STANDARD, auf den Punkt. Der Grund für Poschs Unmut: laut einer Erhebung der Industriellenvereinigung gibt es heuer für innovative Forschungsprojekte kein Geld mehr. Konkret sprach der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Lorenz Fritz, vor Journalisten von einer "Finanzierungslücke in Höhe von 200 Mio. Euro". Wichtige Forschungsprojekte, so Fritz, könnten heuer in Österreich aus diesem Grund nicht mehr durchgeführt werden. Fritz befürchtet nun einen Innovations-Stopp bei Unternehmen, sollte die Regierung nicht schnell Maßnahmen setzen.

Der IV-Generalsekretär lobte "gute Ansätze" der Regierung zum Thema Forschungsoffensive, es mangle allerdings meist an der Umsetzung. Der Mehrbedarf an Finanzmitteln der öffentlichen Hand betrage laut Nationalem Forschungs- und Innovationsplan 1,2 Mrd. Euro für die Jahre 2003 bis 2005. Dem würden 600 Mio. Euro - also nur die Hälfte - für die gesamte Legislaturperiode von vier Jahren gegenüber stehen. Für Philips-Vorstand Posch ist klar, dass Österreich ein "möglicher Standort" ist, aber konzernintern immer wieder überlegt würde, Forschungsaktivitäten auch auszulagern - konkret würde sich Osteuropa anbieten. "Wenn die Projektpipeline verstopft ist, dann müssen wir uns im Konzern überlegen, wie wir das Problem lösen können," sagte Posch.

Unmut

Auch bei AT-&-S regt sich Unmut über den Finanzierungsengpass bei anstehenden Forschungsprojekten: "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind wir auf Forschungsprojekte angewiesen und auch auf Förderungen", sagte AT-&-S-Sprecher Reinhold Oblak. Einen lauten Appel an die Politik gäbe es bereits, ihre Zusagen einzuhalten und bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten nicht die Kostenbremse zu ziehen, so Oblak weiter. Osteuropa sei sicherlich eine "interessante Spielwiese um gewisse Projekte umzusetzen".

Für den Kärntner Chiphersteller Infineon sind Forschungsausgaben "die Grundpfeiler der Weiterentwicklung eines Unternehmens". "Wir verlangen von der Politik Lösungen, die die Attraktivität des Standortes Österreich fördern und Betriebe nicht zum Abwandern zwingen", sagte Infineon Finanzvorstand Monika Kircher-Kohl. (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe 23.4.2003)

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IV

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