US-Ölmultis in Stellung

22. April 2003, 18:35
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Zukunft der nationalen Ölgesellschaft noch in Schwebe - UN-Sanktionen als Hemmschuh für Milliardeninvestments

Wien - Geht es nach dem Willen Washingtons, bekommen die US-Multis die Kontrolle über die Filetstücke der darniederliegenden irakischen Ölindustrie. Sehr schlechte Karten haben dagegen Ölfirmen aus China, Russland und Frankreich, weil sie gegen den Irak-Krieg waren. Die neue Regierung des Irak werde den Wunsch haben, die US-Wirtschaft "zu belohnen", sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer.

Vor einer Verteilung des Kuchens muss aber innerhalb der US-Regierung geklärt werden, welche Rolle Iraks nationale Ölgesellschaft (Inoc) künftig spielen wird. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Staatsgesellschaft bleibt alles ganzes erhalten und gibt den US-Konzernen Konzessionen für die verschiedenen Felder.
  • Zweite Variante ist die Aufspaltung der Inoc in fünf bis sechs einzelne Unternehmen, bei denen dann Multis direkt einsteigen könnten.

Momentan wird das irakische Öl unter der Regie des UNO-Programms "Öl-gegen-Nahrungsmittel" verkauft, das wiederum vom Weltsicherheitsrat kontrolliert wird. Für die Einnahmen werden Medizin, Nahrungsmittel und humanitäre Güter gekauft. Ohne eine Aufhebung des Sanktionsregimes würden aber die Pläne Washingtons, die Förderung im Irak drastisch hochzufahren und damit die Exportmärkte zu überschwemmen, Makultur bleiben. Dies würde US-Konzerne von einem massiven Engagement abhalten.

Njet aus Moskau

Zumindest die russische Lukoil hat schon angekündigt, alle Register gegen einen Hinauswurf aus dem Irak zu ziehen. Sollten die USA die mit dem alten Regime geschlossenen Verträge für null und nichtig erklären, will Lukoil klagen. Laut Insidern haben aber auch schon die Franzosen Experten beauftragt, Möglichkeiten von Regressverfahren vor der Internationalen Handelskammer auszuloten, sollten US-Konzerne die Filetstücke erhalten. Solche Verfahren könnten aber Jahre oder Jahrzehnte dauern. Daher hat TotalFinaElf-Chef Thierry Desmarest durchblicken lassen, dass der Irak nicht so vital wäre, um deshalb lang dauernde Rechtsstreitigkeiten durchzufechten.

Für Lukoil hat der Irak einen größeren Stellenwert. Der russische Riese hat vom alten irakischen Regime die größte Bonanza (das West Qurna-Feld) zugesprochen bekommen, der Vorvertrag wurde aber von Bagdad im Dezember aufgekündigt. Grund: Lukoil wollte sich wegen der seit 1991 geltenden UN-Sanktionen nicht in die Pflicht nehmen lassen, eine erste Tranche der zugesagten Investitionen (insgesamt 3,7 Mrd. Dollar) auch tatsächlich zu tätigen. Das gilt auch für TotalElfFina. Laut Firmenangaben sind die Verträge für die Felder Majnoon und Bin-Umar seit dem Jahr 1995 unterschriftsreif.

Viel bessere Chancen, zum Zug zu kommen, können sich dagegen die Multis ENI und Repsol-YPF ausrechnen. Schließlich sind die beiden Unternehmen die Branchenleader der Ölindustrie der US-Allierten Italien und Spanien. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 23.4.2003)

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    Ein US-Soldat bewacht das Öl-Terminal im irakischen Mina al Bakr. Geht es nach dem Willen der US-Regierungen, sollen die amerikanischen Öl-Multis bei der Verteilung der darnieder liegenden irakischen Ölindustrie nicht zu kurz kommen.

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