EU will Luftbrücke aufbauen

22. April 2003, 14:46
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Belgischer Transporter bereits nach Kuwait unterwegs

Brüssel - Mit einer Luftbrücke will die Europäische Union so rasch wie möglich für medizinische Soforthilfe im Irak sorgen. Die EU-Kommission beschloss am Dienstag in Brüssel die Bereitstellung von zehn Millionen Euro für diesen Zweck. Im Mittelpunkt stehe die Versorgung der Krankenhäuser mit sauberem Wasser, Strom und Medikamenten. Vor allem kriegsverletzten Kindern solle geholfen werden, sagte der zuständige EU-Kommissär Poul Nielson. Der Däne sprach sich zugleich für eine Aufhebung des Handelsembargos gegen den Irak auf der Basis einer UNO-Entscheidung aus. Wichtig sei die schnelle Versorgung mit Wasser und Elektrizität sowie die Wiederaufnahme des Nahrungsmittelprogramms. Die irakische Bevölkerung dürfe nicht den Eindruck bekommen, dass dies zum Teil eines Machtpokers um das Embargo werde, warnte Nielson.

Der Kommissär deutete Probleme bei der Einreise von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen in den Irak an. "Wir brauchen mehr humanitäre Organisationen, die dorthin kommen und arbeiten können", sagte Nielson. "Ich persönlich würde es vorziehen, wenn eine Ermächtigung der Vereinten Nationen die Basis darstellen würde für die Erteilung von Visa für Hilfsorganisationen im Irak." Die Organisationen rechneten aber damit, dass sie die beantragten Vorhaben auch durchführen könnten. Für diese Projekte seien die zehn Millionen Euro bestimmt. Die Versorgung der Kliniken mit Strom und Wasser sei von zentraler Bedeutung für deren Arbeit. Die hygienischen Zustände hätten sich verschlechtert, tödliche Durchfallerkrankungen seien die Folge. "Das schlimmste war die Unterbrechung der Impfkampagne und der Wasserversorgung", sagte der Kommissär, der am 1. Mai in den Irak fliegen will.

Viele Mediziner, die vor den Kämpfen geflüchtet waren, kehren nach Angaben des Nothilfekommissärs wieder an ihre Arbeitsplätze zurück. "In sämtliche Krankenhäusern haben total überarbeitete Ärzte und Krankenschwestern sich verzweifelt darum bemüht, Leben zu retten." Die EU wolle deren Arbeit auch mit Arzneimitteln und medizinischem Gerät unterstützen. Verschiedene EU-Staaten hätten zugesagt, den Transport zu übernehmen. Ein Transportflugzeug der belgischen Luftwaffe startete bereits am Dienstag in Richtung Kuwait. Die zehn Millionen Euro zur medizinischen Unterstützung sind der zweite Teil eines 100 Millionen Euro umfassenden Hilfspakets, das die EU vor vier Wochen erstmals angekündigt hatte. 12,5 Millionen sind laut Nielson schon vergeben worden. Als Partner sind die Organisationen Medecins du Monde (Spanien und Griechenland), Medecins sans Frontieres (Ärzte ohne Grenzen) (Belgien), Aide Medicale Internationale und Premiere Urgence (beide Frankreich), Care (Großbritannien), Telecommunications sans Frontieres, das Rote Kreuz und UNICEF vorgesehen. (APA/dpa)

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