Berlin greift Großbanken unter die Arme

22. April 2003, 14:50
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Großkredit-Auslagerung an neues Bundes-Institut geplant - Bilanzen der Konzerne sollen entlastet werden - Auch die HVB könnte profitieren

Frankfurt/Main - Die deutsche Bundesregierung plant offenbar, den angeschlagenen deutschen Großbanken unter die Arme zu greifen. Gemeinsam mit den fünf führenden Geldinstituten soll die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Gemeinschaftsinstitut gründen, das Kredite verbrieft und an institutionelle Anleger wie Versicherungen und Fondsgesellschaften verkauft, bestätigten Bankenkreise am Dienstag in Frankfurt am Main einen Bericht der "WirtschaftsWoche". Der Deutschen Bank, der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA)-Mutter Hypovereinsbank (HVB), Dresdner Bank, Commerzbank und DZ-Bank könnten dadurch Milliarden an frischem Kapital zufließen.

Firmenkredite aus den Bankbilanzen

Mit dem offenbar geplanten Joint Venture für Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities/ABS) will man ein "völlig neues Marktsegment" am deutschen Kapitalmarkt etablieren. Einzelheiten werden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt bekannt gegeben, teilte die KfW am Dienstag mit.

Im Kern geht es dabei darum, Firmenkredite aus den Bankbilanzen herauszunehmen, in dem sie zunächst von der KfW aufgekauft werden. Die Förderbank des deutschen Bundes bündelt diese Forderungen und verkauft sie in Form von Wertpapieren an institutionelle Anleger. "Die Banken setzen sich gemeinsam für die Einführung eines völlig neuen Marktsegments in Deutschland ein, das wegweisend für die zukünftige Bedeutung des Finanzplatzes im internationalen Wettbewerb sein wird", heißt es in der gemeinsamen Einladung zur Pressekonferenz.

Entlastung für Finanzsektor

Der Vorteil für die Großbanken liegt darin, ihre Bilanzen durch ausgelagerten Kredite zu entlasten und damit eine bessere Eigenkapitalquote zu erzielen. Die Rückführung der Kreditengagements ist bei dieser Konstruktion allerdings nicht mit einer Kündigung oder Kürzung der Kreditlinien für Firmenkunden verbunden. Bisher hat die KfW ähnliche Programme bereits für Mittelstandskredite sowie private Wohnungsbaudarlehen aufgelegt.

Am Bankenplatz Frankfurt wird allerdings betont, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um die Gründung eines neuen - staatlich abgesicherten - Gemeinschaftsinstituts ("Bad Bank") handelt, denn in die neue Gesellschaft dürften nur erstklassige, also nicht leistungsgestörte oder faule Kredite eingebracht werden. Die Banken gaben keinen Kommentar ab und verwiesen auf die Pressekonferenz der KfW. Auch das Bundesfinanzministerium äußerte sich nicht.

Günstige Refinanzierung

Bei den geplanten Verbriefungen des neuen Gemeinschaftsunternehmens soll es sich um so genannte "True-Sale-Transaktionen" handeln, bei denen die verbrieften Kredite tatsächlich aus der Bilanz der Bank gehen. Hintergrund seien geplante steuerliche Erleichterungen, vor allem die Gewerbesteuerbefreiungen für die Zweckgesellschaften der ABS-Transaktionen, durch die True-Sale-Transaktionen in Deutschland erst attraktiv würden.

Bei True-Sale-Verbriefungen werden Kredite gebündelt, an eine Zweckgesellschaft verkauft, in Wertpapiere umgewandelt und am Finanzmarkt platziert. Die Banken können so ihre Bilanzen entlasten und sich außerdem günstiger refinanzieren. Noch sei aber völlig unklar, in welchem Umfang die Banken Kredite in die neue Gesellschaft transferieren würden "Das ist noch nicht absehbar. Es wurden keine Zahlen genannt", hieß es.

Staatliche "Bad-Bank"

In Deutschland ist der Markt für Verbriefungen unter anderem wegen der steuerlichen Voraussetzungen im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch wenig entwickelt. Experten gehen jedoch durch die Befreiung der Zweckgesellschaften von der Gewerbesteuer von einem Schub gerade bei True-Sale-Transaktionen aus.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Diskussion darüber gegeben, wie die Banken ihre Not leidenden Kredite von der Bilanz nehmen könnten. Den Wunsch nach einer staatlichen "Bad-Bank" hatte die KfW stets zurückgewiesen. (AFP/Reuters/dpa)

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    montage: derstandard.at
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