"Es war der Akt eines Champions"

22. April 2003, 14:51
5 Postings

Internationale Pressestimmen zu Michael Schumachers Siegesfahrt in Imola unter tragischen Umständen

Überwiegend mit großem Respekt, aber teilweise auch kritischen Tönen haben deutsche und internationalen Medien am Dienstag den Start der Schumacher-Brüder beim Großen Preis von San Marino am Ostersonntag in Imola kommentiert. Als private Entscheidung werteten einige die Rennteilnahme von Michael und Ralf Schumacher. Im folgenden eine Auswahl:

ITALIEN:

  • "Gazzetta dello Sport": "Der Deutsche gewinnt in Imola für die tote Mutter und rührt 12 Millionen Italiener. - Am Tag des großen Schmerzes schenkte uns Michael Schumacher den so sehr ersehnten Ferrari-Sieg. Halleluja. Schumi und sein stilles Drama. - Ralf im Rennen wie ein Löwe an seinem traurigsten Tag."

  • "La Repubblica": "Das Drama des Champions: Tränen und ein perfektes Rennen eines "grande pilota". - Im Namen seiner Mamma hat Michael Schumacher die Zähne zusammengebissen. Er fuhr, siegte - und weinte."

    ENGLAND:

  • "The Guardian": "Stummer Sieg. Schumacher trauert um Mutter auf dem Siegerpodest und überwindet den Kummer. Für den Weltmeister war dies ein Sieg wie kein anderer."

  • "The Times": "Triumph gemischt mit Tränen der Trauer in Imola. Trauer kann das Schumacher-Familiengeschäft nicht bremsen."

  • "Daily Telegraph": "Michael Schumacher lieferte unter den wohl schwierigsten und dunkelsten Umständen eine Fahrt aus der Tiefe seines Wesens heraus. Es war der Akt eines Champions im Sport und im Alltagsleben, ein Akt des Triumphes. Nur wenige Zeugen von Michaels und Ralfs Kummer konnten nicht bewegt sein von ihrem Dilemma oder ihrem Glück."

  • "Daily Express": "Schumacher überwindet Familienkummer. In seiner dunkelsten Stunde lieferte er seinen wohl feinsten Sieg."

    DEUTSCHLAND:

  • "Westdeutsche Allgemeine Zeitung": "Und wie banal, wie geschmacklos sind die Fragen der selbsternannten Bedenkenträger, die den Imola-Start der Schumachers womöglich für pietätlos halten. Dass die Schumacher-Brüder starteten, war ihre eigene persönliche Entscheidung. Ob es richtig oder falsch war, müssen sie selbst verantworten. Dass sie aus Liebe zur Mutter mit dem Herzen entschieden haben, ist aber wohl nicht zu bestreiten."

  • "Westdeutsche Zeitung": "Der erste Höhepunkt einer bisher verkorksten Saison - da konnte, da durfte Michael Schumacher offenbar nicht Nein sagen. Und Ralf zog mit, um Michael einen Gefallen zu tun. So einfach ist die Wirklichkeit in einem Zirkus, der wohl niemals inne hält."

  • "Nürnberger Nachrichten": "Aber mit Verlaub: Es hätte auch mindestens einen Grund gegeben, nicht an den Start zu gehen. Weil nämlich die Bedeutung eines Formel-1-Rennens beim Tode eines Elternteiles einfach in den Hintergrund zu treten hat. Man hätte aus Respekt vor der Mutter an diesem Tag auch nicht fahren können."

    • Artikelbild
      montage: derstandard.at
    Share if you care.