Zwölf Jahre Haft für Mord an Ehemann

22. April 2003, 14:59
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Urteil nicht rechtskräftig

Wegen Mordes an ihrem Ehemann Johann (58) ist Christine W. (53) heute, Dienstag, am Landesgericht Korneuburg zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Hainburgerin nahm das Urteil an. Staatsanwalt Lambert Schöfmann gab keine Erklärung ab, somit ist der Spruch des Geschworenensenats unter dem Richtervorsitz von Manfred Hohenecker nicht rechtskräftig.

Die unbescholtene Hausfrau und Mutter dreier erwachsener Kinder (35, 34 und 32) hatte - unter Alkoholeinfluss - ihrem Mann in der Nacht zum 7. Dezember 2002 ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser in die Brust gerammt und das Herz getroffen. Reanimationsversuche durch den Notarzt blieben vergeblich, Johann W. verblutete innerlich.

Wirtschaftliche Abhängigkeit

Vor Gericht bekannte sich Christine W. schuldig. Die Geschworenen hörten die Geschichte einer 34-jährigen Ehe, die durch den Alkoholkonsum des Mannes zunehmend von Gewalttätigkeiten geprägt war. Wenn er nüchtern war, habe sie ihn geliebt - und wenn er betrunken und rabiat war, gehasst, so die Angeklagte. Dass sie ihren Mann verlassen, aber drei Jahre nach der Scheidung wieder geheiratet hatte, zeigte ihre wirtschaftliche Abhängigkeit auf.

Jenem verhängnisvollen Abend war eine Nikolo-Feier im Kreis ihrer Enkelkinder vorangegangen. Gegen 22.30 Uhr störte den Frühpensionisten der Lärm bei seiner Tochter, die in ihrer einen Stock darunter liegenden Wohnung Gäste hatte. Johann W. ging hinunter und versetzte der 34-Jährigen zwei Ohrfeigen. Christine W. mischte sich ein - "alle haben furchtbar herumgeschrien", berichtete ein Zeuge, der die Gendarmerie gerufen hatte.

"Vielleicht hat's einfach gereicht"

Stunden später schien sich die Situation beruhigt zu haben. Nach den Schilderungen der Angeklagten diskutierte das Ehepaar aber weiter über den Vorfall. Ihr - im Fauteuil sitzender - Mann habe sie provoziert: "Stich her, wenn'st dich traust." "Vielleicht hat's einfach gereicht", begründete Christine W., was ihre Tat ausgelöst haben könnte.

Rechtsanwalt Harald Schuster verwies in seinem Schlussplädoyer auf die jahrelangen familiären Probleme. Seine Mandantin habe Zustände "wie im alten Rom" erduldet - bis zur Eskalation unter mittelschwerer Berauschung - und sich danach voll geständig gezeigt. Somit lägen aus Sicht des Verteidigers nur Milderungsgründe vor. "Ich verstehe die Tat meiner Mutter", sagte einer der Söhne heute. (APA)

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