Berufung im Fortuyn-Mordfall angekündigt

22. April 2003, 18:02
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Anklage und Verteidigung kündigen Berufung nach der Verurteilung des Mörders des niederländischen Politikers Pim Fortuyn an.

Amsterdam - Die Anwältin des Mörders Volkert van der Graaf sagte am Dienstag, das Gericht habe bei der Verkündung der 18-jährigen Haftstrafe nicht ausreichend die Bedingungen der Untersuchungshaft berücksichtigt. Auch die negativen Kommentare von niederländischen Politikern vor dem Verfahren hätten berücksichtigt werden müssen, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Die Staatsanwaltschaft hat erklärt, nur eine lebenslange Haft sei als Strafe für den Mord am 6. Mai 2002 angebracht. Über die Berufung werde vermutlich im August entschieden.

Erster politisch motivierter Mord seit 300 Jahren

Das Attentat auf Fortuyn war der erste politisch motivierte Mord in den Niederlanden seit mehr als 300 Jahren und hatte in der Bevölkerung große Bestürzung hervorgerufen. Van der Graaf hatte gestanden, Fortuyn erschossen zu haben. Dieser sei machthungrig und eine Gefahr für die Gesellschaft gewesen, erklärte er. Der umstrittene 54-jährige Fortuyn hatte unter anderem den Islam kritisiert und einen Einwanderungsstopp gefordert. Nach seiner Ermordung gewann sein Partei LPF in den kurz darauf folgenden Parlamentswahlen 26 Stimmen und nahm an einer Regierung teil, die aber schnell zerstritten war und daher nur 87 Tage im Amt blieb.(Reuters)

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