Lachhafte "Niger-Connection"

22. April 2003, 14:04
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UNO-Chefinspektor Blix prangert gefälschte Unterlagen über Massenvernichtungs- waffen im Irak an

London - In ungewöhnlich scharfer Form hat UNO-Chefinspektor Hans Blix die Fälschung von angeblichen Beweisen für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak zur Rechtfertigung des Krieges angeprangert. In einem am Dienstag im Voraus veröffentlichten Interview mit dem britischen BBC-Fernsehen nannte es Blix "beunruhigend", dass ein Großteil der Dokumente, auf die sich Washington und London gestützt hätten, "derart wenig solide" seien. Als "offenkundiges Beispiel" nannte er die angebliche Einfuhr von 500 Tonnen Uran aus der westafrikanischen Republik Niger. Für die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) sei es "nicht sehr schwer" gewesen herauszufinden, dass der Vertrag dazu "schlicht und einfach gefälscht war".

Blix will nicht zu weit gehen

Es sei "sehr, sehr beunruhigend", dass die hoch technisierten Geheimdienste der USA und Großbritanniens die Fälschung nicht erkannt hätten, unterstrich der ehemalige schwedische Außenminister. Er wolle allerdings "nicht so weit gehen", den Geheimdiensten vorzuwerfen, dass sie die Beweise auf Geheiß der Regierungen in London und Washington gefälscht hätten. Der UNO-Sicherheitsrat in New York sollte in Anwesenheit von Blix am Dienstag über ein Ende der internationalen Sanktionen gegen den Irak und die Rückkehr der UNO-Waffenkontrollore beraten.

Niger-Connection gefälscht

Bereits Anfang März hatten Blix und IAEO-Chef Mohammed el Baradei öffentlich erklärt, dass einige der von den USA vorgelegten Beweise über das irakische Massenvernichtungsprogramm auf Fälschungen beruhten. Die US-Regierung hatte unter anderem behauptet, der Irak habe im Jahre 2000 versucht, große Mengen Uran zur Herstellung der Atombombe von dem afrikanischen Staat Niger zu kaufen. Diese angebliche "Niger-Connection" hatte am 24. September vorigen Jahres die Demokraten im US-Kongress angeregt, sich dem harten Irak-Kurs des Präsidenten George W. Bush anzuschließen. Auf einem Brief, der den Handel beweisen sollte, fand sich die Unterschrift des Außenministers von Niger mit Datum 10. Oktober 2000. Der Politiker gehörte aber schon seit 1989 nicht mehr der Regierung in Niamey an. Mitarbeiter Baradeis konnten feststellen, dass auch eine Unterschrift des Präsidenten von Niger gefälscht war. (APA/AFP)

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    UNO-Chefinspektor Hans Blix ist "beunruhigt"

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