Stammzellen aus Milchzähnen

22. April 2003, 13:39
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US-Forscher: Könnten einfach "abgeerntet" werden

Washington - Das Milchgebiss ist eine Fundgrube für Stammzellen. US-Forscher berichten erstmals, im Zahnmark (Pulpa) Stammzellen gefunden zu haben. Die einzigartige Entdeckung könnte weitreichende Folgen haben, da diese Zellen für kurze Zeit nach dem Ausfall des Zahns im Zahninneren erhalten bleiben. Dies wiederum legt nahe, dass die Zellen einfach "abgeerntet" werden könnten. Derzeit untersuchen die Wissenschaftler des National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR), ob sich die Stammzellen in andere Zellen verwandeln. Unter bestimmten Bedingungen stellten sich bereits erste Erfolge bei der Umwandlung in Nerven- und Fettzellen ein.

Der Wissenschaftler Songtao Shi entdeckte die Stammzellen zufällig, nachdem er bei den ausgefallenen Zähnen seiner sechsjährigen Tochter rotes Gewebe entdeckte. Aus diesem isolierte Shi Stammzellen. Bei zwölf bis 20 Stammzellen war es möglich, sie in einer Kultur zum Wachstum anzuregen. Interessanter Weise konnten diese "SHED"-Zellen ("Stem cells from the human exfoliated deciduous teeth") dazu veranlasst werden, auf ihrer Oberfläche Proteine zu exprimieren. Für die Forscher ist dies ein Hinweis dafür, dass diese Stammzellen an der Bildung von Knochen- und Zahnpulpa-Zellen beteiligt waren.

Für die Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) publizierten, sind die Stammzellen im Vergleich zu vielen adulten Stammzellen im Körper einzigartig. Sie sind langlebig, wachsen schnell in Kulturen und haben das Potenzial, die Bildung spezialisierter Zellen wie Dentin,- Knochen- und Nervenzellen zu veranlassen. Möglicherweise können die Stammzellen sogar zur Zahnreparatur, zur Knochenregeneration und zur Behandlung von Nervenverletzungen oder sogar Krankheiten herangezogen werden, spekulieren die Forscher. (pte)

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