Im Spannungsfeld von Spiritualität, Religion und Politik

22. April 2003, 13:12
posten

Erster Frau Ava-Literaturpreis geht an Irma Krauß für die Erzählung "Der Verdiener"

Wien - Der heuer erstmals vergebene Frau Ava-Literaturpreis geht an die deutsche Autorin Irma Krauß (54). Die Auszeichnung war von der Frau Ava Gesellschaft für Literatur für Autorinnen ausgeschrieben worden, die sich "auf neuartige und innovative Weise in Sprache und Form" mit Themen im Spannungsfeld von Spiritualität, Religion und Politik auseinander setzen. Krauß wird für ihre Erzählung "Der Verdiener" ausgezeichnet.

Die Verleihung findet am Mittwoch (18 Uhr), am Internationalen Tag des Buches, in der Kirche St. Blasien zu Kleinwien bei Göttweig statt. Heute um 16 Uhr liest die Preisträgerin im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Irma Krauß wurde am 25. Februar 1949 im schwäbischen Unterthürheim geboren. Sie arbeitete sieben Jahre als Lehrerin, ehe sie mit 40 ihr erstes Buch, "Ungeheuer", eine Erzählung für Erwachsene, verfasste. Seither hat die Autorin zahlreiche Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Für "Arabella oder Die Bienenkönigin" erhielt sie den Peter-Härtling-Preis für Kinder- und Jugendliteratur und den Buchpreis der Deutschen Umweltstiftung.

"Schonungslose Wahrhaftigkeit"

In der Erzählung "Der Verdiener" lässt Krauß eine Arbeiterin in der ehemaligen DDR 1989, kurz nach der Wende, anlässlich des Todes ihrer Tochter über ihr Leben reflektieren. Die in einer "nüchternen, fast herben Sprache, fern jeglichen Pathos" formulierte "schonungslose Wahrhaftigkeit" mache Krauß' Text zu einer Parabel des menschlichen Lebens, lobte Erika Schuster für die Jury die Preisträgerin bei der Pressekonferenz. Der Text für Erwachsene soll Teil einer Anthologie über Menschen werden, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen.

Der Preis im Gesamtwert von 10.000 Euro besteht in einer vom Paudorfer Bildhauer Leo Pfisterer gestalteten Bronze-Statuette "Frau Ava", einer Lesereise durch Österreich und einer Öffentlichkeitskampagne. Der Siegertext sowie die weiteren Termine der Lesereise sind auf der Homepage der Frau Ava Gesellschaft für Literatur nachzulesen.

Anerkennungen

Neben dem Preis sprach die Jury drei weiteren Autorinnen ihre Anerkennung aus: der Kultursprecherin der ÖVP, Andrea Wolfmayr, für "Na und?" sowie den Deutschen Christine Hoba für "Vaterkopf" und Anke Velmekke für "Correr". Insgesamt haben sich am Wettbewerb 67 Autorinnen, darunter 33 aus Österreich, 31 aus Deutschland und je eine aus Georgien, der Schweiz und den Niederlanden beteiligt. Die Ausschreibung erfolgt künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus.

Die Frau Ava-Gesellschaft für Literatur mit Sitz in Paudorf bei Göttweig hat sich zum Ziel gesetzt, die Erforschung des Werkes von Frau Ava, der ersten Dichterin in deutscher Sprache (gestorben 1127, Geburtsort und -Datum unbekannt), zu unterstützen. Im Vereinsvorstand ist das Stift Göttweig ebenso vertreten wie die Pfarre Paudorf und die Gemeinden Paudorf und Furth.

(APA)

Frau Ava Gesellschaft für Literatur, Hellerhof, A-3511 Paudorf-Göttweig, Tel. 0664/5745836, Fax 02736/6467,
Link
frauava
Share if you care.