OPEC vor Wiederaufnahme der Fördergrenzen

22. April 2003, 13:03
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Krisentreffen der Öl-Minister am Donnerstag in Wien - Überversorgung des Marktes soll verhindert werden

Wien - Nach dem Ende des Irak-Krieges rüstet sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wieder zur Verteidigung der Ölpreise. Bei einer Krisensitzung der Ölminister kommenden Donnerstag in Wien wird das Kartell voraussichtlich seine zu Kriegsbeginn vorübergehend ausgesetzten Förderbeschränkungen auf 24,5 Mio. Fass (je 159 Liter) pro Tag wieder einsetzen. Die OPEC will damit einer Überversorgung des Ölmarktes entgegenwirken und so die Preise wieder stabilisieren. Der Markt hat den Schritt bereits vorweggenommen, die Ölpreise sind in den vergangenen Tagen wieder kontinuierlich gestiegen.

OPEC-Öl wieder teurer

OPEC-Öl ist am Montag den fünften Tag in Folge teurer geworden. Ein Fass kostete am Montag 26,64 Dollar (24,40 Euro), um 39 Cent mehr als Ende vergangener Woche, teilte das OPEC-Sekretariat am Dienstag in Wien mit. Damit lag der OPEC-Ölpreis zwar deutlich unter seinem 30-Monatshoch von 33,11 Dollar kurz vor Kriegsbeginn, aber immerhin knapp 7 Prozent über dem Tiefststand von 24,91 Dollar Anfang April. Kurz vor dem OPEC-Treffen reagierte der Ölmarkt am Dienstag vorerst abwartend: Der Preis für die meistgehandelten Nordsee-Sorte Brent (zur Lieferung im Mai) sank bis Mittag (12:30 Uhr) in London um 2 Cent auf 25,83 Dollar je Fass.

Ölexperte Johannes Benigni, Chef des Wiener Energierbrokers PVM Oil Associates, erwartet durch die Wiederaufnahme der Förderberschränkungen eine Stabilisierung des Ölpreis im Bereich der 25 Dollar. Derzeit wird die vereinbarte Fördermenge von 24,5 Mio. Fass nach Schätzungen um rund 1,8 Mio. Fass pro Tag überschritten. Vor allem Saudi Arabien, der größte Ölexporteur des Kartells, produziert derzeit außerhalb der Quoten. Mit 7,96 Mio. Barrel lag die Produktion im März um 19 Prozent oder 1,5 Mio. Barrel über der OPEC-Quote.

Ringen um Einigkeit

"Das wichtigste am kommenden Treffen ist, dass wir unser Haus in Ordnung bekommen und sich wieder alle an Board an die vereinbarten Quoten halten", hieß es aus OPEC-Kreisen zur Nachrichtenagentur Dow Jones. Man müsse rasch handeln, sonst drohe der Ölpreis unter das angepeilte Preisband von 22 bis 28 Dollar je Fass zu fallen, so das Kartell.

Saudi Arabien und Algeriens Ölminister und früherer OPEC-Präsident Chakib Khelil haben eine Wiederaufnahme der Födergrenzen bereits im Vorfeld des Donnerstagstreffens unterstützt. Ölbroker Benigni geht davon aus, dass der Markt danach zwar nach wie vor mit einer Mio. Fass überversorgt werde. Angesichts der leeren US-Lager und des saisonalen Nachfrageanstiegs nach Jahresmitte sei diese Überkapazität aber willkommen, sagte Benigni zur APA.

Kürzung vorerst nicht vorgesehen

Eine Kürzung der Förderquoten um eine Mio. Barrel, wie vom iranischen Ölminister Bijan Namdar Zangeneh verlangt, steht angesichts dessen am Donnerstag vorerst nicht auf der Tagesordnung. Dies könnte allerdings dann bei dem nächsten Treffen der Ölminister am 11. Juni in Doha (Katar) zum Thema werden, wenn klarer ist, wie sich die Situation im Irak entwickeln wird.

Der amtierende OPEC-Präsident Abdullah Hamid bin al-Attiyah befürchtet für eine Wiederaufnahme der irakischen Produktion und eine vollständige Rückkehr der auf Grund von Unruhen ausgefallenen Ölexporte Nigerias eine Überkapazität am Ölmarkt von 4 Mio. Fass pro Tag. Laut Benigni könnte der Irak bis Ende des Jahres bereits wieder 2,5 Mio. Fass Öl exportieren.

Bei dem Treffen am Donnerstag wird voraussichtlich kein Vertreter des Iraks teilnehmen. Bisher habe man keine offizielle Anfrage vom Irak für eine Teilnahme erhalten, erklärte eine Sprecher am Dienstag. Aus OPEC-Kreisen hieß es am Dienstag zudem, die Organisation werde voraussichtlich keine irakische Delegation akzeptieren, bis die UNO eine neue Regierung in Irak anerkannt habe. (APA)

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