In den USA nehmen Kampagnen gegen Araber mit gefälschten E-Mails zu

22. April 2003, 11:44
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Üble Diffamierungen gegen arabisch-amerikanische Wortführer - Strafverfolgung kaum möglich

Der arabisch-amerikanische Aktivist Nawar Shora hat in seinem E-Mail Dutzende wütender Schreiben vorgefunden, in denen er gefragt wird, warum er denn Juden und Amerikaner so hasse. Alle Schreiben bezogen sich auf ein E-Mail mit seiner Adresse. Allerdings hat Shora nie eine solches Hass-Mail geschrieben. Der Rechtsberater des Amerikanisch-Arabischen Anti-Diskriminierungskomitees wurde Opfer einer neuen Form der Diffamierung, bei der echte E-Mail-Adressen verwendet werden.

Grundsätzliche Probleme

Die Provokateure nutzen die Offenheit des E-Mail-Protokolls, das zu Zeiten entwickelt wurde, als der die elektronische Post noch überschaubar war und zumeist unter normalen Umgangsformen erfolgte. Jeder kann ein E-Mail fälschen - ohne großes technisches Wissen und ohne in einen fremden Rechner einzudringen. Es ist so, als ob man einen Brief mit einem falschen Absender in den Briefkasten werfen würde.

Diese Art der Belästigung verursacht viel Ärger und kostet die Betroffenen viel Zeit. Oft ist eine Rufschädigung kaum noch rückgängig zu machen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen es in den USA ohnehin eine negative Stimmung gegen arabischstämmige Amerikaner gebe, seien solche E-Mails sehr gefährlich, sagte Shora. Die üble Nachrede mit E-Mail-Fälschungen gegen arabisch-amerikanische Wortführer begann vor rund einem Jahr und hat nach Beginn des Irak-Kriegs offenbar erheblich zugenommen.

Zugespammt

Zu den Opfern gehört auch der Jura-Professor Francis Boyle, der wiederholt mit Wortmeldungen zu Gunsten der Palästinenser an die Öffentlichkeit getreten ist. Als Boyle im August vergangenen Jahres nach drei Wochen aus dem Urlaub kam, fand er 55.000 E-Mails vor. Boyle bemühte sich, den Schaden zu beheben und auf jedes E-Mail zu antworten. Vieles sei aber nicht wiedergutzumachen, sagt er.

E-Mail-Spoofing, wie das Fälschen der Absenderangaben genannt wird, beschränkt sich nicht auf politische Kampagnen. Im vergangenen Monat wurde ein schottischer Konkursanwalt Opfer einer gefälschten E-Mail. Er vermutet den Täter in den Reihen einer unterlegenen Partei, der sich rächen wollte.

Abhilfe

Die Ermittlung der Täter gestaltet sich schwierig, wie das FBI einräumt. Zwar haben alle E-Mails einen Absendervermerk, der anzeigen könnte, dass es sich um ein gefälschtes E-Mail handelt, viele Computernutzer achten aber gar nicht darauf oder wissen nicht, wie sie die Echtheit einer E-Mail überprüfen können. Ein Mittel dagegen wären digitale Signaturen, wie sie zum Beispiel Programme wie PGP (Pretty Good Privacy) verwenden. Allerdings fanden solche Programme, die die Echtheit einer E-Mail bestätigen könnten, bisher kaum größere Verwendung. (APA)

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