Großer Andrang an offener Trennungslinie in Zypern

24. April 2003, 18:19
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Auch am zweiten Tag lange Warteschlangen - Letzte Mauer Europas wurde nach fast 29 Jahren durchlässig - Mit Ansichtssache

Nikosia - Die Öffnung der Trennungslinie auf der Mittelmeer-Insel Zypern nach fast drei Jahrzehnten der Teilung hat einen wahren Ansturm der Bürger beider Inselteile ausgelöst. Einen Tag nach der erstmaligen Öffnung überquerten auch am Donnerstag wieder mehrere tausend Menschen die Übergangsstellen in Nikosia und in der Nähe des Dorfes Pyla im Osten der Insel, wie das Innenministerium bekanntgab. An beiden Übergangsstellen kam es nach Berichten des zypriotischen Fernsehens zu einem Verkehrschaos.

Autokolonnen auf griechischer Seite

Bereits am Mittwoch hatten auf der seit 1974 geteilten Mittelmeer- Insel fast 5.000 Menschen die erstmalige Öffnung der Trennungslinie zu einem Besuch im jeweils anderen Inselteil genutzt. Nach Angaben des Innenministeriums kamen am ersten Tag 2926 türkische Zyprioten in den Südteil der Insel. 1752 griechische Zyprioten reisten in den Norden.

Auf der griechischen Seite bildete sich am Donnerstag in Nikosia eine rund 800 Meter lange Warteschlange von Autos, in Pyla warteten rund 1.000 Autofahrer darauf, die Trennungslinie zu überqueren. Auch auf der türkisch-zypriotischen Seite gab es lange Schlangen. Die Regierung der griechisch dominierten Republik Zypern im Süden setzte Busse ein, um türkisch-zypriotische Bürger in ihre Geburtsorte im Süden der Insel zu transportieren.

Reiserlaubnis für Bürger beider Teile

Die Trennungslinie zwischen dem von türkischen Truppen besetzten Norden und dem griechisch-zypriotischen Süden der Insel ist die letzte Mauer Europas. Am Mittwoch hatten die türkisch-zypriotischen Behörden erstmals seit fast 29 Jahren ihren Bürgern erlaubt, in den Süden zu reisen. Gleichzeitig wurde griechischen Zyprioten die Einreise in den von türkischen Truppen besetzten Norden gestattet. Die Besucher dürfen bis Mitternacht auf dem jeweils anderen Inselteil bleiben.

Denktas für Einschränkung des Grenzverkehrs

Einen Tag nach der Grenzöffnung zwischen dem griechischen und türkischen Teil Zyperns hat sich der Führer der türkisch-zypriotischen Volksgruppe, Rauf Denktas, für eine Einschränkung des Grenzverkehrs ausgesprochen. Die Zahl der täglichen Grenzübertritte könnte demnächst begrenzt werden, um die langen Wartezeiten zu verkürzen, sagte der Präsident der international nicht anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern" am Donnerstag der türkisch-zypriotischen Nachrichtenagentur TAK.

Die Öffnung weiterer Grenzübergänge lehnte Denktas vorerst ab: "Wir sollten die Dinge nicht überstürzen. Wir können nicht im ganzen Land Löcher aufmachen".

Unterdessen begrüßte die griechisch-zypriotische Seite die Öffnung der Trennungslinie als "Schritt in die richtige Richtung". Die Teilung Zyperns sei jedoch damit nicht überwunden, sagte der zypriotische Regierungssprecher Kypros Chrysostomidis. Der griechische Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Giorgos Papandreou sagte im griechischen Fernsehen, die Öffnung der Trennungslinie sei "ein Tag des Glücks" für alle Zyprioten. (APA/dpa)

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    Türkisch-zypriotischer Checkpoint in Nicosia am Mittwoch

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