Pilotprojekt fürs Heer

4. August 2010, 19:01
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Es war zwar nicht in Ordnung, aber der Umstand, dass er nur schnell seine Hochzeitsanzeigen abholen wollte, bringt auch ein Portion Sympathie ins Spiel.

Natürlich war es nicht in Ordnung, dass ein Hubschrauberpilot des Bundesheeres auf dem Rückflug von einer Übung eine private Zwischenlandung eingelegt hat. Die Disziplinarkommission wird ihm wohl gehörig die Flügel stutzen. Aber der Umstand, dass er nur schnell seine Hochzeitsanzeigen aus einer Druckerei abholen wollte, bringt auch eine Portion Sympathie ins Spiel. Piloten ist nichts verboten, in der Liebe sowieso nichts, heißt es ja.

Für Verteidigungsminister Norbert Darabos kommt der Fauxpas freilich zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Muss er doch derzeit einen eisernen Sparkurs durchsetzen. Unter anderem soll er 400 Leute ans Finanzministerium abgeben, außerdem soll pikanterweise auch der Verkauf alter Hubschrauber das Budget des Bundesheeres auffetten. Da sorgen private Ausflüge auf Staatskosten in seinem Ressort für eine ziemlich schiefe Optik. Auch wenn in Heereskreisen betont wird, dass im konkreten Fall keine einzige (teure) Flugminute verschwendet wurde, weil die unerlaubte Zwischenlandung auf dem Weg gelegen sei.

Vielleicht könnte Darabos daraus aber auch einen positiven Nutzen ziehen und ein Pilotprojekt für eine neue Imagekampagne entwickeln. Die Panzerwerbung ("Lust auf eine Spritztour, Mädels?") kann ja noch nicht alles gewesen sein. "Verleiht Flügel" drängt sich beim Fliegerregiment als Werbeträger irgendwie auf. Und dazu der Song "Resi, i hoi di mit'm Heli o'".  (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2010)

 

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