Lula soll es richten

4. August 2010, 18:10
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Gelöst werden kann dieser Konflikt von den Streitparteien selber wohl kaum - von Alexander Fanta

Es sollte eine Machtdemonstration sein: Im März 2008 ließ Juan Manuel Santos, damals Verteidigungsminister Kolumbiens, ein Dschungelcamp der Farc-Guerilla bombardieren, die seit über 30 Jahren die Regierung in Bogotá bekämpft. Blöd nur, dass dieses Camp "zufällig" auf dem Boden des Nachbarlandes Ecuador stand.

Der Eklat war programmiert. Prompt brachen Ecuador und Venezuela ihre diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien ab. Venezuelas Präsident Hugo Chávez ließ gar an der Grenze zu Kolumbien Panzer auffahren. Die Wahl von Juan Manuel Santos zum Präsidenten Kolumbiens im Juni goss weiteres Öl ins Feuer des Nachbarschaftsstreits.

Seither ergehen sich die links regierten Staaten Venezuela und Ecuador und die stramm konservative Regierung Kolumbiens in gegenseitigen Vorwürfen. So behauptet Kolumbien, Venezuelas grenznahes Gebiet biete der Farc Verstecke. Das klingt zwar nicht ganz abwegig - dies jedoch den Nachbarn via internationale Medien auszurichten trug zu einer Entspannung des Streites nur wenig bei.

Gelöst werden kann dieser Konflikt von den Streitparteien selber wohl kaum, so hochgeschaukelt sind die emotionalen Wogen. Alle Augen richten sich nun auf die Regionalmacht Brasilien, deren Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva sich bisher nicht einmischen wollte. Mithilfe der Mediation Lulas, der von allen drei Staatschefs respektiert wird, könnte der Streit sicher rasch beigelegt werden. (Alexander Fanta/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2010)

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