Datendieb Kieber packt konspirativ aus

4. August 2010, 17:25
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Der Lieferant der berühmten Steuersünder-CD bietet den Stoff aus dem die Dramen sind. Österreich, die Urheimat der Theatralisierung, lässt ihn links liegen

Heinrich Kieber ließ mit gestohlenen Daten aus Liechtenstein tausende Steuerbetrüger beim deutschen Nachbarn auffliegen. Die Rede ist von der berühmten Steuer-CD, der mittlerweile viele kleine, nicht mehr ganz so berühmte Datenträger folgten. Ex-Postchef Zumwinkel war ein dicker Fisch auf der dünnen Silberscheibe. Neun Millionen Euro musste er nachzahlen, zusätzlich wurde er zu einer Geldstrafe von rund einer Million und zwei Jahren auf Bewährung verdonnert. Kieber kassierte fünf Millionen und hält sich seither versteckt - aber nicht gut genug, um sich auch des Zugriffs der Kollegen vom deutschen "Stern" zu erwehren. Dort darf sich der Mann derzeit ganz "konspirativ" wundern.

Neben den Angaben zu Zumwinkel habe er über Daten von insgesamt 46 sogenannten politisch exponierten Personen verfügt. Der reichste Anleger war ein italienischer Industriellen-Erbe mit 450 Millionen, der reichste Deutsche ein Düsseldorfer Geschäftsmann mit Anlagen von 35 Millionen Euro. Ihr Geld hätten die gut Betuchten direkt mit dem Auto in den Untergrund oder - präzise ausgedrückt - in einen Tresorraum der LGT fahren können, sagt Kieber. Durch eine geheime Stahltür, in einem öffentlichen Parkhaus in Vaduz. Was den Mann nicht ganz so aus der Fassung gebracht haben dürfte wie die Tatsache, dass Zumwinkel "bislang der einzige" Prominente geblieben sei, dessen Fall "zumindest teilweise öffentlich" geworden ist. Insgesamt habe er immerhin Daten von rund 5800 Personen und knapp 4000 Firmen, die es in sich haben sollen. Die Mitarbeiter der LGT-Bank seien über recht intime Details aus dem Privatleben ihrer Kunden informiert gewesen. In den Kundenunterlagen der Bank habe es interne Vermerke "über Familienstreitigkeiten, Zweit- und Drittfrauen oder uneheliche Kinder" gegeben. Die Bankmitarbeiter hätten mitunter oft mehr gewusst "als manche Ehefrauen".

Auf dieser oder einer der anderen CD befanden sich auch die Daten von einigen Dutzend Österreichern. Zahlreiche Steuersünder - hierzulande und anderswo - haben sich selbst angezeigt. Öffentlich wurde in Österreich kein einziger Fall - nicht einmal teilweise. Wundern tut man sich über so etwas aber anderswo. Dabei wäre das doch ein echter Fall für das skurrile Wesen des Homo Austriacus - laut dem US-Historiker William Johnston ist die Alpenrepublik ja immerhin die "Urheimat der Theatralisierung". Aber dafür müssen wieder Hundstrümmerl und Co herhalten. (Regina Bruckner, derStandard.at, 4.8.2010)

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    Heinrich Kieber will übrigens in naher Zukunft auf geheimem Weg sein Buch ins Internet stellen (so steht es im Stern). Darin will er dann ausführlich ausführen, wie es zu dem Verrat von Kontodaten kam, mit dem er sich, wie Kieber im Interview sagte, an dem liechtensteinischen Fürsten rächen wollte.

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