Bis zu 36.336 Euro Strafe für verbotene Einfuhr

5. August 2010, 11:52
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Von Tieren und Pflanzen als Urlaubssouvenirs sollte man besser die Finger lassen. Verstöße gegen Einfuhrbestimmungen kommen teuer

Wer sich nicht mit herkömmlichen Souvenirs aus Plastik und Kunststein, Made in China, zufrieden geben will und lieber etwas "originelleres" mit nach Hause nehmen möchte, sollte vorsichtig sein. Sehr schnell kann das Mitbringsel zum teuren Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) werden. Der ÖAMTC warnt davor, Pflanzen oder Tiere einzuführen, egal ob lebendig oder tot, im Ganzen oder in Teilen. 172 Staaten der Welt haben CITES unterzeichnet und das aus guten Grund - weltweit sind etwa 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten gefährdet oder unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Teure Souvenirs

In vielen Ländern werden aus Pflanzen und Tieren Souvenirs gefertigt, oft genug auch aus geschützten Arten. Als Tourist ist man sehr schnell auf dem Holzweg, wenn man Souvenirhändlern vertraut, die selbst seltene Schlangen oder Korallen als "unbedenklich" einstufen, das Geld einstreifen und alles weitere dem Käufer überlassen. „Die böse Überraschung folgt dann häufig am Zoll", weiß Michal Teuschl, ÖAMTC-Touristiker. Strafen zwischen 726 und 36.336 Euro werden fällig, wenn die Zollbeamten zwischen Socken und Gelsenspray auf Orchideen aus Mexiko oder Reptilienhäute stoßen.

Immerhin sind durch CITES über 3.000 Tier- und 30.000 Pflanzenarten geschützt. Die Wahrscheinlichkeit, eine geschützte Art im Gepäck zu haben ist also relativ hoch. Vor allem warnt der ÖAMTC davor, Erzeugnisse der chinesischen Medizin aus China einzuführen. Oft beinhalten diese nämlich Bestandteile geschützter Pflanzen- und Tierarten, wie etwa Bären oder Tiger. Auch Schlangen- oder Eidechsenhäute können nicht einfach in den Koffer gepackt werden, für sie ist eine eigene Genehmigung erforderlich.

Felle, Pflanzen, Häute und Getränke

Wer sich gerne in Felle indischer Raubkatzen kuschelt, Elfenbein, Reptilleder oder Steinkorallen für besonders dekorativ hält oder Schildkrötenpanzer einführen will, ist ebenfalls gut beraten, entweder die Finger davon zu lassen, oder eine behördliche Genehmigung zu beantragen.

Generell ist die Ausfuhr von Korallen, Elefanten-, Nashorn- oder Meeresschildkröten-Produkten verboten. Das gilt vor allem für Kenia, wo diese exotischen Souvenirs gerne verkauft werden. Pflanzen, Insekten, Muschelschalen sowie Produkte aus aus Reptilleder bedürfen einer behördlichen Genehmigung.

Kakteen- und Orchideenliebhaber, die aus dem Mexikourlaub nicht nur gebräunte Haut und Tequila mitnehmen, sollten ebenfalls vorsichtig sein. Wild gesammelte Pflanzen dürfen nicht eingeführt werden. Beim Kauf von Stiefeln ist darauf zu achten, dass diese nicht aus Reptilleder hergestellt wurden, da eine Genehmigung für die Einfuhr erforderlich ist.

Getrocknete Seepferdchen oder Korallen aus den Mittelmeerländern sind begehrte Mitbringsel für die Deko-Schale im heimischen Wohnzimmer. Aber auch deren Einfuhr ist illegal und strafbar. Mit zu den beliebten, aber verbotenen, Souvenirs maritimen Ursprungs gehören Fechterschnecken und Riesenmuscheln, die zwar nicht aus den Mittelmeerländern stammen, aber dort gerne verkauft werden.

Wer erwischt wird, wird bestraft

Ganz grundsätzlich sollte man also darauf verzichten, Produkte aus Reptilleder, Korallen, Elfenbein, Stör-Kaviar oder Schildkrötenpanzer aus dem Urlaub mit zu nehmen. Die etwas ungeschickte Erklärung am Zoll, man hätte nicht gewusst, dass die Einfuhr verboten sei, schützt übrigens nicht davor, für den illegalen Import bestraft zu werden. Und die Zollbeamten lassen mit Sicherheit kein Vergehen gegen den Artenschutz durchgehen. Der deutsche Zoll beispielsweise hat in den Jahren 2007 bis 2009 jeweils über 1.000 Fälle registriert. 2007 wurden in Österreich 107 Artikel beschlagnahmt, im Jahr 2008 wurden 141 Fälle registriert und im Jahr 2009 betraf die Beschlagnahmung 134 Fälle. Insgesamt wurden also 382 Artenschutz-Beschlagnahmungen durchgeführt.

Besonders gefragt waren in diesen drei Jahren, laut Auskunft von Harald Waiglein, Sprecher des Bundesministeriums für Finanzen, Arzneiwaren mit artgeschützten Inhaltsstoffen. 75 Sendungen im Postverkehr mit derartigem Inhalt wurden beschlagnahmt. Des weiteren beliebt sind nach wie vor Korallen, von denen den Zollbeamten 525, als "Souvenir" bezeichnete Objekte, in die Hände vielen. 78 Flaschen Wein oder Schnaps mit eingelegten artgeschützten Tieren wurden aus dem Reiseverkehr gezogen, auch hier wollten die Reisenden ein Andenken aus dem Urlaub mitnehmen. Des weiteren konnte der österreichische Zoll noch 87 Muscheln, 13 Gramm Kaviar sowie 204 Stück an Lederprodukten beschlagnahmen. (ham/derStandard.at/05.08.2010)

Informationen:
CITES
WWF
BMF/Zoll

  • Über Geschmack lässt sich streiten - über Einfuhrbestimmungen nicht.
    foto: bmf - zoll

    Über Geschmack lässt sich streiten - über Einfuhrbestimmungen nicht.

  • Auch harmlos wirkende Felle können dem Artenschutzübereinkommen unterliegen. Sicherheitshalber sollte man auf tierische und pflanzliche Souvenirs generell verzichten.
    foto: bmf - zoll

    Auch harmlos wirkende Felle können dem Artenschutzübereinkommen unterliegen. Sicherheitshalber sollte man auf tierische und pflanzliche Souvenirs generell verzichten.

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