Staatsateliers im Prater werden revitalisiert

4. August 2010, 16:53
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Die Bildhauerateliers sollen saniert und nur mehr befristet vermietet werden: Kulturministerin Claudia Schmied will sie zu einem "lebendigen Ort" machen

Wien - Errichtet worden waren die hohen, großteils lichtdurchfluteten Bildhauerateliers des Bundes nach den Plänen von Carl Hasenauer - als Pavillons für die Weltausstellung 1873. Danach, 1875, widmete Kaiser Franz Joseph sie "der Kunst" , wie auch die Inschrift im Eingangsbereich des südlichen Gebäudes lautet.

Anton Hanak, Tina Blau, Rudolf Hoflehner und viele andere arbeiteten hier. Heute aber haben die Staatsateliers im Wiener Prater, von einem malerisch verwilderten Park umgeben, etwas Morbides, Verwunschenes: Das südliche Gebäude ist desolat, es herrscht zumeist eine beklemmende Stille. Denn in den letzten Jahren waren mehrere Mieter - darunter Bruno Gironcoli, Alfred Hrdlicka und zuletzt Josef Pillhofer - gestorben; derzeit wird in acht von insgesamt 23 Ateliers nicht gearbeitet.

Und der Großteil der noch lebenden Künstler gehört, wie man so schön sagt, zur alten Garde: Die Pavillons sind die Wirkungsstätte unter anderem von Joannis Avramidis (Jahrgang 1922), Oswald Stimm (Jahrgang 1923), Roland Göschl (Jahrgang 1932), Hans Hollein (Jahrgang 1934), Oswald Oberhuber (Jahrgang 1931) und Karl Prantl (Jahrgang 1923). Einer wohnt hier sogar, obwohl er das nicht darf, ein anderer - kein Bildhauer im eigentlichen Sinn - missbraucht das Atelier als Lager.

SP-Kulturministerin Claudia Schmied will dieses pittoreske Altersheim nun wieder zu "einem lebendigen Ort" machen. Um Überalterung zu verhindern, geht man vom Konzept der Mietverträge auf Lebenszeit ab: Künftig werden die Ateliers befristet auf sieben Jahre vergeben, vorrangig an "aufstrebende österreichische Künstler" , wie es im Konzept heißt. Der gegenwärtig sehr bescheidene Frauenanteil soll erhöht, der Bildhauerbegriff erweitert werden.

Das Kunstministerium will bereits im Herbst drei Ateliers im nördlichen Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach in zeitgemäßen Formen wiedererrichtet worden war, nach geringen Instandsetzungsarbeiten ausschreiben. Eines ist groß genug für Bildhauerei, die anderen beiden eignen sich eher für Malerei und Objektkunst.

Im original erhaltenen südlichen Gebäude hingegen sind größere Instandsetzungsarbeiten notwendig. Man hofft, die ersten Räume Ende 2011 vergeben zu können. Von der Idee, aus Alfred Hrdlickas Atelier - mit 435 Quadratmetern das größte - ein Museum zu machen, hält Schmied nichts: Es soll in kleinere Einheiten aufgeteilt und der Arbeitsraum für drei oder vier jüngere Künstler werden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 05.08.2010)

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    Tausende Objekte für ein Hrdlicka-Museum: Angelina Siegmeth-Hrdlicka muss das Staatsatelier bis Jahresende geräumt haben

    Wien - 1964 vertrat der Bildhauer Alfred Hrdlicka zusammen mit dem Maler Herbert Boeckl Österreich bei der Biennale Venedig; zwei Jahre später durfte er ein 435 Quadratmeter großes Staatsatelier im Wiener Prater beziehen. Dort arbeitete Hrdlicka bis zu seinem Tod am 5. Dezember 2009.

    Seine Witwe, Angelina Siegmeth-Hrdlicka, steht nun vor gröberen Problemen. Denn die Bundesimmobiliengesellschaft als Eigentümerin der Liegenschaft lässt ihr nur bis Jahresende Zeit, das Atelier zu räumen. Sie weiß aber nicht, wohin. Zum Nachlass gehören viele Skulpturen: "Die kann ich nicht in eine Wohnung stellen" , sagt die Witwe. "Alfred hat ja keine Miniaturen hergestellt." Zudem gibt es etwa 1300 Radierplatten - "die kann ich doch nicht einschmelzen!" - und eine umfangreiche Bibliothek: "Die muss erhalten werden, damit die Studenten forschen können!"

    Im Zuge der Ausstellung Schonungslos mit frühen Arbeiten Hrdlickas, die bis 19. September in der Orangerie des Belvedere zu sehen ist, regte Angelina Siegmeth-Hrdlicka an, das Atelier in ein Museum umzuwidmen. Doch das kann sich die Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) nicht vorstellen: Die insgesamt zwei Gebäude sollen wieder "ein lebendiger Ort" werden, Hrdlickas Atelier will man in kleinere Einheiten für drei oder vier Künstler aufteilen.

    Siegmeth-Hrdlicka will den Nachlass "im Sinne Alfreds" zusammenhalten, auch wenn es für sie eindeutig lukrativer wäre, die Werke Zug um Zug zu veräußern: "Aber es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis in Wien die Einsicht einkehrt, dass ein solches Museum eine schöne Sache wäre." Gespräche mit der Stadt Wien fruchteten nichts. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) ließ auf Anfrage des Standard bloß ausrichten, dass ein solches Projekt "noch nicht an ihn herangetragen worden" sei. Belvedere-Chefin Agnes Husslein bekundete zumindest Interesse am Nachlass, es seien aber bis dato keine Verhandlungen geführt worden.

    Um Druck zu machen, schlug Angelina Siegmeth-Hrdlicka nun Berlin als Standort für das Museum vor. Denn Hrdlicka lehrte von 1986 bis 1989 an der dortigen Hochschule der Künste. Mehr als ein Wunschtraum ist das Projekt aber derzeit nicht. (trenk)

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