Gewinn bei Münchener Rück überraschend gestiegen

4. August 2010, 15:49
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München - Mit hohen Sondererlösen aus dem Verkauf von Wertpapieren hat sich die Münchener Rück wieder etwas Luft verschafft. Die Kapitalmarktgeschäfte verhalfen dem weltgrößten Rückversicherer zu einem überraschenden Gewinnanstieg im vergangenen Quartal. Damit bleibt das Profitziel im Gesamtjahr erreichbar, sollten heftige Wirbelstürme dem Konzern keinen Strich durch die Rechnung machen. Neue Belastungen durch das Erdbeben in Chile und den Untergang der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" machten der Münchener Rück zuletzt gehörig zu schaffen.

Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bekräftige am Mittwoch seine Prognose von mindestens zwei Mrd. Euro Gewinn in diesem Jahr. "Das bleibt ambitioniert, ist aber zu schaffen", sagte er. Nach den ersten sechs Monaten waren es bereits 1,2 Mrd. Euro. Allein im zweiten Quartal kam der Rückversicherer auf einen Überschuss von 709 Millionen. Das sind 3,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist, während Analysten mit einem Rückgang auf 481 Millionen gerechnet hatten.

Hauptgrund für den Zuwachs ist, dass das Unternehmen mit der Veräußerung von Unternehmens- und Staatsanleihen sowie Derivaten Kasse machte. Daher stieg das Kapitalanlageergebnis um ein Fünftel auf 2,61 Mrd. Euro - trotz der Börsenturbulenzen im Zuge der Schuldenkrise Griechenlands. Zudem baute der Konzern die Beteiligung am Schweizer Versicherer Helvetia ab, was den Gewinn um 90 Mio. Euro aufpäppelte. Ferner verwies von Bomhard auf ein deutlich verbessertes Ergebnis der Erstversicherungstochter Ergo.

Kein nachhaltiger Trend

Angesichts der Sondereffekte warnten Analysten, dass die Gewinnentwicklung der Münchener Rück keinen nachhaltigen Trend zeige. Dem hielt Finanzchef Jörg Schneider entgegen, die Verkäufe zählten zum normalen Geschäft. "Es ist aber nicht einfach zu wiederholen", räumte er allerdings ein. Die Rendite auf die Kapitalanlagen lag zum Halbjahr bei annualisierten 5,3 Prozent - angesichts der sehr sicher angelegten Gelder von 192 Mrd. Euro ein hoher Wert. Im Gesamtjahr dürften es über vier Prozent sein. Die Münchener Rück hat noch elf Mrd. Euro an unrealisierten Gewinnen als Puffer in den Büchern.

Das Gewinnziel des Managements hängt nun vom Verlauf der Hurrikan-Saison ab, die bis Ende November reicht. Das Jahresbudget für Großschäden sei Ende Juni schon fast aufgebraucht, sagte von Bomhard. Böse Überraschungen dürfe es nicht mehr viele geben. Doch der Vorstandschef zeigte sich skeptisch: "Die Wassertemperatur ist vergleichsweise hoch. Daher erwarten wir keine moderate Hurrikan-Saison", sagte er. Das würde auch die kleineren Rivalen Swiss Re und Hannover Rück treffen. Sie legen in den nächsten Tagen ihre Bilanzen vor. Der Branchenzweite aus Zürich ist dabei laut Analystenschätzungen aus der Verlustzone gekommen und hat einen Quartalsüberschuss von 359 Mio. Dollar (272 Mio. Euro) eingefahren.

Die Münchener Rück wurde im zweiten Quartal von Großschäden hart getroffen. Der Untergang der Öl-Plattform im Golf von Mexiko werde die Branche bis zu 3,5 Mrd. Dollar kosten, erklärte Vorstand Torsten Jeworrek. Die Münchner planen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag ein. Davon entfallen 60 Mio. Euro auf den eigentlichen Sachschaden. Weitere Haftpflichtansprüche können noch nicht genau abgeschätzt werden. Für das verheerende Erdbeben in Chile wurden zusätzliche Zahlungen fällig, mehr als ursprünglich zurückgelegt.

Insgesamt kosteten Naturkatastrophen die Münchener Rück im Halbjahr 900 (Vorjahreszeitraum: 243) Mio. Euro. In der Kernsparte Rückversicherung betrug die Schaden/Kosten-Quote - die zentrale Kennziffer zur Profitabilität - deswegen im Zeitraum von April bis Juni nur schwache 103,8 Prozent. Oberhalb von 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und Verwaltungskosten nicht mehr durch die Prämieneinnahmen gedeckt. Die Konkurrenten und vor allem Erstversicherer wie die Allianz dürften hier deutlich besser abgeschnitten haben. (APA/Reuters)

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