Mit dem Hakenkreuz gegen China

4. August 2010, 15:52
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Anti-Chinesische, nationalistische Bewegungen in der Mongolei haben ein Vorbild: Hitler

In schwarze Hemden gekleidet, den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben rufen sie „Sieg Heil" und verehren Hitlers Idee von ethnischer Reinheit. In der Mongolei formten sich einige nationalsozialistische Bewegungen, die in Symbolik und Ideologie Anleihe am Nationalsozialismus nehmen. Eine davon ist Tsagaan Khass. Übersetzt bedeutet der Name „Weißes Hakenkreuz". Die Gruppe wehrt sich gegen den angeblich verstärkten Einfluss des mächtigen Nachbarn im Süden: China.

Tsagaan Khass selbst verstehen sich als Patrioten, die sich für die Rechte der Mongolen einsetzen und Bürger gegen ausländische Verbrecher verteidigen. Kritiker widersprechen: Die Gruppe würde Unschuldige als Sündenböcke ausmachen und attackieren. Das US-State-Department warnt Reisende in der Region: In den vergangenen Jahren hat es vermehrt Übergriffe auf Paare mit unterschiedlicher Hautfarbe gegeben. Besonders gefährdet seien ausländische Männer mit einheimischen Frauen. 

"Respektieren Adolf Hitler"

Tsagaan Khass Mitglieder sagen, sie würden Gewalt nicht unterstützen. Als Nazis sehen sie sich aber sehr wohl: „Adolf Hitler war jemand den wir respektieren. Er hat uns gelehrt nationale Identität zu erhalten", sagt der 41-jährige Mitbegründer, der sich selbst „Großer Bruder" nennt, gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian. „Wir sind mit aber seinem Extremismus und dem Auslösen des Zweiten Weltkrieges nicht einverstanden. Wir sind gegen all diese Tötungen, aber wir unterstützen seine Ideologie. Wir unterstützen eher Nationalismus als Faschismus."

Eine weitere Neonazigruppe, die sich Blue Mongolia nennt, bekennt sich dazu, Frauen, die sich mit Chinesen einlassen, den Kopf zu rasieren. Ihr Anführer wurde 2008 für den Mord an dem Freund seiner Tochter verurteilt. Das Opfer hatte Chinesisch studiert. Immer wieder tauchen in der Hauptstadt Ulan Bator anti-chinesische Graffiti auf. "Erschießt die Chinesen" ist oft zu lesen. Daneben prangen meist Hakenkreuze. „Wenn wir uns mit den Chinesen vermischen, werden sie uns langsam schlucken. Die mongolische Gesellschaft ist nicht sehr reich. Die Ausländer kommen mit viel Geld und nehmen uns unsere Frauen", befürchtet der 23-jährige Battur im Gespräch mit dem Guardian.

Auch die Gruppe Dayar Mongol (All Mongolia) bedient sich an ideologischen Versatzstücken des Nationalsozialismus. "Wenn sich unser Blut mit Ausländern mischt, werden wir zerstört", schürt Zagas Erdenebileg, einer der Anführer von Dayar Mongol, die Angst vor Fremden. Erdenebileg hat sich viermal vergeblich um die Präsidentschaft des Landes beworben und verehrt Dschingis Khan, von dem er meint er hätte Hitler beeinflusst.

Unwissen über den Holocaust

Die Wahl Hitlers als ideologisches Vorbild scheint bizarr: Während der Zeit des Nationalsozialismus sind sowjetische Kriegsgefangene, wenn sie mongolische Züge hatten, exekutiert worden. Rechtsextreme in Europa haben in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mongolische Einwanderer angegriffen. Aber das verbreitete Unwissen über den Holocaust und anderer Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg erklären die Verwendung nationalsozialistischer Symbole und Ideologien. Tsaaga Khass verweist auf die asiatischen Ursprünge des Hakenkreuzes, verwendet aber außerdem die Farben der Nationalsozialisten, den Nazi-Adler und den Hitlergruß. 

Gegen Chinesen

Obwohl nur eine kleine Minderheit der Mongolen Sympathie für nationalsozialistisches Gedankengut hat, ist die Einstellung weit verbreitet, dass China imperialistische Absichten hätte und plane die Mongolei zu übernehmen. Eingeklemmt zwischen Russland und China fürchten viele Mongolen ethnische und wirtschaftliche Kolonisierung. Ausländer werden oft als Bedrohung wahrgenommen.

Leiser Auftritt

In letzter Zeit ist Tsagaan Khass bemüht, sich ein gefälligeres Image zu verpassen, etwas leiser aufzutreten und legt Wert auf gutes Benehmen der Mitglieder. Eine gute Ausbildung wird zur Bedingung bei der Aufnahme. Kritiker fürchten einen Zusammenschluss der verschiedenen nationalistischen Gruppen. Tsaagan Khaas arbeitet nach eigenen Angaben bereits eng mit anderen Neonazigruppen zusammen. Andere Beobachter sprechen hingegen vom Abflauen der Bewegung, bezweifeln die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, und halten die Zahl von angeblich 3000 Mitgliedern für übertrieben.

Tsagaan Khass sieht sich selbst als Organisation die für Recht und Ordnung im Land sorgt. Javkhlan, einer der Köpfe der Organisation, sagt gegenüber dem Guardian: „Wir machen Kontrollen. Wir gehen in Hotels und Restaurants um sicher zu gehen, dass sich keinen mongolischen Frauen prostituieren und sich die Ausländer an die Gesetze halten." Und: „Wir versuchen Gewalt zu vermeiden. Das ist unser letztes Mittel." (mka, derStandard,at, 4.8.2010)

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    Ein Auto bewirbt auf der Friedensallee in Ulan Bator Dayar Mongol, einer der nationalistischen Gruppierungen in der Mongolei.

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