Sorgloser Umgang mit Arzneimittelfälschungen

4. August 2010, 12:31
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Informationsdefizite in der österreichischen Bevölkerung - Rattengift und Straßenmarkierungsfarbe in gefälschten Medikamenten zu finden

Wien - Was sind eigentlich gefälschte Medikamente? Eine Antwort auf diese Frage fällt den meisten Österreichern schwer. Eine aktuelle Umfrage vom Marktforschungsinstitut Market, im Auftrag des Pharmaunternehmens Pfizer Österreich, zeigt Informationsdefizite beim Thema Arzneimittelfälschungen. So können etwa 2/3 der Befragten mit dem Thema gar nichts anfangen oder haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht. Dieses mangelnde Problembewusstsein kann dazu verleiten die Gefahr gefälschter oder illegaler Medikamente zu unterschätzen. Als Resultat wird auch in Österreich immer häufiger zu gefälschten oder illegal bezogenen Medikamenten gegriffen.

Robin Rumler, Geschäftsführer von Pfizer Austria: "Die Zahl der gefälschten Arzneimittel, die meist übers Internet bezogen werden, steigt auch in Österreich. Das ist eine große, unterschätzte Gefahr für den Patienten. Die Fälscher versuchen sowohl Packungen als auch Tabletten oder Kapseln dem Originalmedikament so ähnlich wie möglich schauen zu lassen. Das ist keine Lappalie, gefälschte Medikamente sind gefährlich. Sie enthalten zu wenig oder gar keinen Wirkstoff - im schlimmsten Fall, sogar schädliche Substanzen wie Rattengift oder Straßenmarkierungsfarbe."

Billiger und bequemer über das Netz

Dass die Problematik auch in Österreich zunehmend an Bedeutung gewinnt, deutete bereits eine andere Umfrage an, die Ende 2009 von Pfizer International (EU und österreichweit) durchgeführt wurde. Rund 25% der Österreicher gaben hier an, schon einmal ein verschreibungspflichtiges Medikament ohne Rezept gekauft zu haben bzw. würden es bei Bedarf tun.

Angeführte Gründe, warum Konsumenten rezeptpflichtige Medikamente via Internet bestellen, sind laut Studie: Weil es bequemer ist, weil man sich den Arztbesuch spart oder weil es billiger ist. Die Daten zeigten, dass viele die damit verbundenen Gefahren nicht ausreichend kennen und nicht darüber informiert sind, dass rezeptpflichtige Medikamente nicht über das Internet verkauft werden dürfen.

Fälschungen erkennen

Pharmafirmen versuchen ihre Produkte beispielsweise durch Hologramme oder fluoreszierende Pigmente fälschungssicher zu gestalten. Hinweisend darauf, dass es sich um eine Fälschung handelt, sind fehlende Gebrauchsinformationen oder fehlende Angaben zur Wirkstoffstärke, Chargennummer oder Zulassungsinhaber.

Robin Rumler: "Für den Verbraucher beziehungsweise Patienten gilt: Verlässlich kann man sich derzeit nur schützen, indem man ausschließlich in der Apotheke vor Ort einkauft. Im legalen Handel in Österreich wurden bisher noch keine Fälschungen gefunden, praktisch alle gefälschten Medikamente gelangen vom Ausland und via Versand nach Österreich."

95% der Internet-Medikamente gefälscht

Die Menge gefälschter Arzneimittel, die über Internet und andere Quellen in Umlauf gebracht wird, hat in Österreich in den letzten Jahren - laut der zuständigen österreichischen Behörde, der AGES PharmMed - deutlich zugenommen. Heute sind z.B mehr als 95% der im Internet verkauften Arzneimittel Fälschungen. Um über die Gefahren, die von einem illegalen Arzneimittelkauf und von gefälschten Medikamenten ausgehen, aufzuklären, wurde von der AGES PharmMed und dem Bundesministerium für Gesundheit die Informationsoffensive "Gemeinsam gegen Arzneimittelfälschungen" ins Leben gerufen. (red)

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