Teheran dementiert Attentat auf Ahmadi-Nejad

4. August 2010, 21:08
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Verletzte bei Explosion in Provinzhauptstadt Hamedan - Präsidentenbüro spricht von Feuerwerkskörper

Feuerwerkskörper oder Handgranate: Ob der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Mittwoch Ziel eines Anschlags war,blieb - auch wegen der restriktiven Informationspolitik des Regimes - offen.

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Vom lebensgefährlichen Attentat über einen Knallkörper, gezündet aus "feindseligen Motiven" , bis zum Freudenfeuerwerk oder gar nichts: Das war die verwirrende Nachrichtenlage nach ersten Meldungen über einen Anschlag auf den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad in der Stadt Hamadan im Westen des Iran. Die halboffizielle iranische Nachrichtenagentur Fars hatte berichtet, dass ein Regimegegner nahe dem Flughafen von Hamadan eine Handgranate gegen den Konvoi des Präsidenten geworfen habe. Als Quelle wurden "Präsidentenkreise" angegeben. Ahmadi-Nejad - der sich kurze Zeit später der Öffentlichkeit in einem Stadion zeigte und eine Rede hielt, in der er keinen Vorfall erwähnte - sei bei der Explosion unverletzt geblieben.

Auch die konservative Website Khabaronline.ir berichtete von einer gegen den Präsidenten geworfenen Granate. Der Sprengsatz sei etwa hundert Meter von Ahmadi-Nejads Fahrzeug entfernt neben einem Minibus mit Journalisten explodiert, berichtete die Website, die Parlamentspräsident Ali Larijani nahesteht, einem konservativen Gegner des Präsidenten.

Die offiziellen Dementis folgten unmittelbar nach dem Bericht. Staatliche Medien dementierten, dass es einen Anschlag gegeben habe. Der arabischsprachige iranische Sender Al-Alam berichtete, dass ein Feuerwerkskörper gezündet worden sei, als die Menschenmenge dem eingetroffenen Ahmadi-Nejad zujubelte. Im von der Regierung betriebenen englischsprachigen Press TV hieß es zu dem Bericht über einen Anschlag: "Einen solchen Angriff hat es nicht gegeben."

Andere informierte Quellen berichteten indes von der Detonation eines Feuerwerkskörpers. Der mutmaßliche Täter sei verhaftet worden. Mehrere offizielle Agenturen benutzten den Begriff "Kracher" . Die iranische Agentur Mehr sprach von einer "selbstgebauten Lärmbombe" , die auch eine Menge Rauch entwickelt habe. Andere Medien berichteten wiederum, die Handgranate habe den Begleitwagen mit Journalisten getroffen und mehrere Reporter verletzt.

"Hoffnungslose" Zionisten

Die Spekulationen heizte weiter an, dass der iranische Präsident erst Anfang der Woche den Verdacht geäußert hatte, dass Israel ein Attentat auf ihn plane. Bei einer Rede am Montag hatte Ahmadi-Nejad erklärt: "Die Zionisten haben Leute ausgesandt, um mich zu ermorden. Schaut, wie hoffnungslos sie sind." Das meldeten die israelische Internetzeitung Ynet und die spanische El País am Mittwoch.

Im Vorjahr hatte auch der iranische Geheimdienstminister behauptet, Israel plane die Ermordung Ahmadi-Nejads. "Zionistische Elemente" hätten sich in Ägypten und Paris mit Mitgliedern der exiliranischen Oppositionsgruppe Volksmujahedin zu diesem Zweck getroffen. Im November erklärte das iranische Geheimdienstministerium, ein Plan zur Ermordung eines "hochrangigen Regierungsvertreters" sei vereitelt worden.

"Machen uns nichts daraus"

In der Rede, die er nach dem angeblichen Anschlag hielt, zeigte sich Ahmadi-Nejad hart wie immer. Er nannte die jüngsten US-Strafmaßnahmen gegen iranische Firmen bedeutungslos. "Wir machen uns nichts daraus und werden niemals um eure Waren betteln", sagte er. Zugleich warnte er Europa und andere Länder davor, sich dem Schritt anzuschließen. Ansonsten würden sie "vom iranischen Markt weggewischt". (red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2010)

  • Nach dem offiziell dementierten Anschlag ließ sich Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad von Anhängern in Hamadan feiern.Foto: Reuters

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bodyguards von Mahmoud Ahmadinejad reagieren auf ein Explosionsgeräusch weiter hinten in der Wagenkolonne des Präsidenten.

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