Schwierige Bonanza am Kaspischen Meer

    3. August 2010, 20:06
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    Zentralasien regt die Fantasie westlicher Ölkonzerne an, aber viele Stolpersteine bremsen den Ausbau

    Die an Erdöl und Erdgas reiche zentralasiatische Region gilt schon lange als eine der aussichtsreichsten Explorationsregionen der Welt. Besonders optimistische Experten stellen die Region als ähnlich wichtig hin wie den Persischen Golf. Auch von den Staaten selbst - Kasachstan, Aserbaidschan, Turkmenistan - wird Erdöl- und Erdgasförderung als der Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlstand begriffen. Vor allem die wenig erkundeten Gewässer des Kaspischen Meeres regen die Fantasie der westlichen Ölkonzerne an.

    Allerdings ist die Exploration der Öl- und Gasschätze nicht mit dem Nachdruck vorangetrieben worden, der angesichts der Vorkommen eigentlich erwartet werden könnte. Die Gründe dafür sind vielfältig und hängen am wenigsten damit zusammen, dass alle diese ehemaligen sowjetischen Republiken ein fragwürdiges Demokratie- und Menschenrechtsverständnis haben.

    Es sind vielmehr die logistischen Hindernisse, die in den vergangenen Jahren immer wieder zum Hemmschuh für einen Ausbau wurden. Die Länder haben allesamt keinen Zugang zu den Weltmeeren und sind deshalb auf den Transit durch Drittstaaten angewiesen. Lediglich Aserbaidschan verfügt seit 2006 über eine Ölpipeline in die Türkei.

    Der Baubeginn für die Gaspipeline Nabucco wurde bereits mehrmals verschoben und ist derzeit für 2011 vorgesehen. Um für diese Pipeline eine Kapazitätsauslastung garantieren zu können, müssen die anderen kaspischen Anrainerstaaten zuliefern. Das Interesse von Kasachstan und Turkmenistan dürfte gegeben sein. Aber das Gas auf die andere Seite des Kaspischen Meeres nach Baku, wo die geplante Nabucco-Pipeline starten soll, zu bringen, ist eine logistische und finanzielle Herausforderung. In Frage kommt der Bau einer Pipeline, die am Boden des Kaspischen Meeres verlegt wird. Eine weitere Option ist, das verflüssigte Gas mittels Schiffen auf die Westseite des Kaspischen Meeres zu bringen. Eine solche Flüssiggas-Technologie ist jedoch energieaufwändig und deshalb teuer. Theoretisch möglich wäre auch die Nutzung bestehender Gasleitungen von Turkmenistan in den Nordiran.

    Allerdings ist die Bereitschaft all dieser Länder gebremst, wenn es um die Durchleitung von umfangreichen Gasmengen geht. Lieber tritt man selbst als Lieferant auf.

    Umstrittene Ansprüche

    Ein weiterer Stolperstein bei der Entwicklung der reichen Bodenschätze sind die nach wie vor ungeklärten und umstrittenen Ansprüche der Anrainerstaaten auf Öl- und Gasvorkommen im Meer selbst.

    Deshalb ist es nur logisch, dass immer wieder Verträge mit anderen interessierten Abnehmerstaaten geschlossen werden, die leichter zu beliefern sind als die Europäer. Allen voran China, aber auch Russland und einige weitere GUS-Staaten sind ebenfalls Abnehmer. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2010)

     

     

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