Geoffrey Palmer leitet die Untersuchung zum Gaza-Schiff

3. August 2010, 20:04
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Tüchtiger Jurist mit Hang zum Internationalen

Für diese Aufgabe brauchte Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon das, was man unhöflicherweise ein zumindest medial international unbeschriebenes Blatt nennt: Sir Geoffrey Palmer aus dem fernen Neuseeland soll jene Kommission leiten, die den israelischen Angriff auf ein türkisches Blockadebrecher-Schiff in den internationalen Gewässern vor Gaza Ende Mai untersucht.

Tatsächlich sind von dem 1942 in Nelson geborenen Juristen keinerlei Pro- oder Kontra-Äußerungen zu einer der Konfliktparteien bekannt. In seiner Heimat ist er ein einflussreicher Mann, in einer Top-50-Liste der wichtigsten Leute in Neuseeland wurde er 2007 als Nummer zehn geführt. Allgemein läuft er als "neuseeländischer Expremier", das ist jedoch zwanzig Jahre her.

Den Posten - und den des neuseeländischen Labour-Vorsitzenden - hatte er 1989 von seinem Vorgänger David Lange geerbt, der sich aus gesundheitlichen Gründen ein Jahr vor den Parlamentswahlen zurückzog. Palmer war dessen Vizepremier und Justizminister. Im Wahlkampf agierte er jedoch so ungeschickt, dass katastrophale Umfragen für Labour ihn seinerseits dazu zwangen, das Amt abzugeben. Die Wahlen verlor die Partei dennoch.

Palmer galt als bar jeden Charismas, aber als zuverlässig und tüchtig. Mit dieser Personenbeschreibung füllte er zahlreiche Ämter aus. Nachdem er in Wellington und in Chicago (Abschluss summa cum laude) Jus studiert hatte, schlug er - nach einem kurzen Liebäugeln mit dem Journalismus, sein Vater war Chefredakteur - die Universitätslaufbahn ein. Er lehrte in Wellington und an US- Universitäten.

Seine politische Karriere führte ihn von der Position des politischen Beraters von Labour zuerst ins Parlament und dann in die Regierung, als die Partei 1984 die Wahlen gewann. Nach der Premier-Episode wuchs ihm der "Sir" als "Knight Commander of the Most Distinguished Order of St. Michael and St. George" zu. Danach widmete sich der Autor von zehn Büchern und dutzenden Artikeln wieder ausschließlich der Juristerei - als Lehrer, aber auch als Richter im Atomversuche-Rechtsstreit mit Paris und in der Internationalen Walkommission. Seit 2007 ist er Präsident der New Zealand Law Commission.

Palmer, seit 1963 verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Seine Geburtsstadt Nelson bezeichnet er in Maori-Sprache als sein "turangawaewae", sein emotionales Hauptquartier. Nun ist er auf dem Weg nach New York.  (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2010)

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