Politclown Haider und die Industriekapitäne

3. August 2010, 19:44
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Großzügige Gönner aus der Wirtschaft könnten Jörg Haiders mysteriöses Vermögen genährt haben - Was erwarteten sich Unternehmensbosse von einer Investition in einen politischen Outlaw?

Wien - "Wer unter der Decke hervorschaut, bekommt sofort die Haare geschnitten": Thomas Prinzhorn findet die Zustände im Land zum Ersticken. In einer "Zwangswirtschaft ersten Ranges" sieht er das Volk gefangen, "Freidenker" stünden auf verlorenem Posten: "Und jetzt wurde die Sozialpartnerschaft auch noch in der Verfassung verankert - da schlägt's wirklich dreizehn."

Der Papierindustrielle ärgert sich schon seit Jahrzehnten über die alteingesessene rot-schwarze Kaste, doch einst gab es zumindest einen Hoffnungsträger, der das verhasste System aus den Angeln heben sollte: Jörg Haider. Nicht nur auf Prinzhorn, der es für die FPÖ bis zum dritten Nationalratspräsidenten brachte, übte der Tabubrecher aus Kärnten Faszination aus, auch andere Wirtschaftskapitäne schwangen sich zu Förderern auf. Wie viel Geld dabei in Haiders Aufstieg floss, könnte sich nun im Zuge der Affäre um vermeintliche Geheimkonten herausstellen.

Was haben Unternehmer von einer solchen Investition? Wer (künftigen) Entscheidungsträgern unter die Arme greift, kann auf Gegengeschäfte hoffen - wiewohl es einflussreichere Verbündete gäbe, als den Regenten eines ärmlichen Bundeslandes. Ideologischer Gleichklang ist ebenso ein mögliches Motiv wie simple Sympathie. Der verstorbene Großindustrielle Herbert Turnauer etwa, einst wegen ei- ner angeblichen Fünf-Millionen- Schilling-Spende in den Schlagzeilen, soll an der notorischen Widerborstigkeit Haiders einfach einen Narren gefressen haben.

Aus US-Studien schließt der Politologe Peter Filzmaier allerdings, dass die Mehrheit der Firmenbosse ihre Gunst "nach strategischen Interessen" verteile - und da lud Haider zu einer attraktiven Mission ein. Nicht wenige Unternehmen fühlten sich vom ÖVP-Monopol in der Wirtschaftskammer ausgegrenzt, Sozialpartner galten im Zeitgeist der Neunziger als altmodische Betonierer. Haider schickte sich an, die vermeintliche Parallelregierung sturmreif zu schießen - was ihm nach der Wende 2000 tatsächlich zu gelingen schien. Letztlich sprengte der FPÖ-Chef aber doch nur die eigene Partei.

Wie kein anderer habe Haider Politik als "Theater" mit wechselnden Rollen inszeniert, sagt der Politikwissenschaftler Anton Pelinka und wundert sich, dass ausgerechnet Industrielle "auf diese politische Clownerie hereinfielen". Denn abseits der Auftritte als "Austro-Thatcher" warf sich das Showtalent auch in eine höchst wirtschaftsfeindliche Pose: Jene des rabiaten EU-Gegners.

Manche Unterstützer hat Haider mit seinen Extravaganzen im Laufe der Jahre allerdings vergrätzt - so auch Prinzhorn, der sich 2006 abwandte. Aus den gleichen Motiven wie damals hält er heute die Strache-FPÖ für attraktiv: "Dringender denn je brauchen wir eine Kraft, die das herrschende System in Frage stellt."

Haider als geheimer Araber

Dem Gaddafi-Clan und anderen mutmaßlichen internationalen Förderern hingegen sollte die rot-schwarze Allmacht egal sein - oder? "Für ein isoliertes Regime ergäbe es schon Sinn, Oppositionsparteien gegenüber feindlichen Regierungen zu fördern", sagt Filzmaier, "doch das ist Spekulation." Vielleicht ging es um einen sicheren Hafen für angehäufte Millionen, vielleicht freundeten sich Haider und die libyschen Regenten auch nur wegen der beiden Seiten eigenen Exaltiertheit an. Eher weit hergeholt - und problematisch für freiheitliche Wähler - klang hingegen der Grund, den Präsidentensohn Saif al-Islam Gaddafi schon vor Jahren nannte: Haider stamme aus einer arabischen Sippe, die vor 400 Jahren aus Andalusien eingewandert sei, und erwäge, zum Islam zu konvertieren. (Gerald John, DER STANDARD-Printausgabe, 4.8.2010)

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    Kleinholz machen wollte Prinzhorn aus dem "System" - mit Hilfe Haiders.

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