Zardari: Wir verlieren den Krieg in Afghanistan

3. August 2010, 19:16
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Präsident auf Besuch in London und Paris: "Kampf um die Herzen und um die Köpfe verloren"

Pakistans Präsident Ali Asif Zardari, auf Besuch in London und Paris, glaubt nicht, dass die Taliban in Afghanistan besiegt werden können. Aber seinem Land wird eine unklare Haltung zu den Taliban vorgeworfen. 

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Islamabad/Paris/London - Die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan werden nach Einschätzung des pakistanischen Staatschefs Asif Ali Zardari die radikalen Islamisten am Hindukusch nicht besiegen können. "Die internationale Gemeinschaft, zu der Pakistan gehört, verliert gerade den Krieg gegen die Taliban", sagte Zardari der französischen Tageszeitung Le Monde. Das liegt vor allem daran, dass wir den Kampf um die Herzen und um die Köpfe verloren haben." Die von den Vereinigten Staaten und der Nato geführten Streitkräfte hätten die Lage in Afghanistan "unterschätzt", sagte Zardari, der zu einem zweitägigen Besuch in Frankreich war und am Dienstag nach Großbritannien weiterreiste.

Der Besuch in Frankreich verlief harmonisch, laut Zardari habe Präsident Nicolas Sarkozy viel Verständnis für die Probleme Pakistans gezeigt. Mit Großbritannien hingegen ist das Verhältnis angespannt. Der britische Premierminister David Cameron hatte Pakistan vergangene Woche ausgerechnet während eines Aufenthalts in Indien vorgeworfen, den Terrorismus in Afghanistan zu nähren, und hatte damit die pakistanische Führung erzürnt. Islamabad bestellte den britischen Botschafter ein.

Am Montag betonte die britische Regierung, dass der Premier bei seiner Einschätzung bleibe - er habe sich ausdrücklich auf "Teile" Pakistans bezogen, nicht auf die pakistanische Regierung, sagte eine Sprecherin in London. Die Äußerungen Camerons erfolgten, nachdem aus von Wikileaks veröffentlichten geheimen Afghanistan-Dokumenten hervorgegangen war, dass der pakistanische Geheimdienst ISI teilweise mit den Taliban in Afghanistan kooperiert, um sich durch sie den Einfluss im Nachbarland auch in Zukunft zu sichern.  (DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2010)

 

  • Dr. Ismail (rechts), ein Militanter einer islamistischen pakistanischen Gruppe, übergibt einem Behördenvertreterin der Stammesregion von Bajaur an der afghanischen Grenze seine Waffe. Seine Gruppe Tehrik-e-Nafaz e Shariat Muhammadihat hat sich ergeben, andere kämpfen weiter.
    foto: epa

    Dr. Ismail (rechts), ein Militanter einer islamistischen pakistanischen Gruppe, übergibt einem Behördenvertreter
    in der Stammesregion von Bajaur an der afghanischen Grenze seine Waffe. Seine Gruppe Tehrik-e-Nafaz e Shariat Muhammadihat hat sich ergeben, andere kämpfen weiter.

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