Mexiko

"Pressefreiheit schon lange gestorben"

3. August 2010, 18:49

Die mexikanischen Drogenkartelle morden, entführen, bedrohen Reporter - und machen sich die sensationsgierigen Medien zu eigen - In den letzten vier Jahren starben 30 Journalisten - Vier wurden jetzt befreit.

Die Reporter waren unterwegs zum Gefängnis von Gómez Palacio. Die mexikanische Regierung hatte in der Haftanstalt im nordmexikanischen Durango interveniert, die Direktorin festgenommen, und die Häftlinge rebellierten, weil ihre Privilegien beschnitten wurden. Bis vorige Woche konnten Gefangene ein und aus spazieren und im Auftrag eines Drogenkartells morden - das Ganze mit Billigung der Gefängnisleitung, von Polizei und Justiz.

Die vier Reporter aus Mexiko-Stadt wussten, worauf sie sich einließen. Für den Norden Mexikos gelten besondere Regeln der Berichterstattung: Brenzlige Geschichten werden nur noch von Sonderberichterstattern übernommen, die für einige Tage aus der Hauptstadt einfliegen. Sie sind immer in Gruppen unterwegs, nur bei Tageslicht. Die Vorsichtsmaßnahmen halfen nichts.

Im Visier des Drogenbosses

Mexikos mächtigster Drogenboss, Joaquín "El Chapo" Guzmán, hatte sie im Visier. Ein schwerbewaffnetes Kommando lauerte den Journalisten auf, verbrannte ihre Kameras und verschleppte sie am hellichten Tag. An ihre Medien - den TV-Giganten Televisa und den Nachrichtensender Milenio - erging die Aufforderung, Videos des Kartells auszustrahlen, wenn sie ihre Reporter lebendig wiedersehen wollten. In Mexiko sind laut Reporter ohne Grenzen in den vergangenen vier Jahren 30 Journalisten ums Leben gekommen. Elf verschwanden spurlos. Nur wenige Fälle wurden aufgeklärt.

Straßenblockaden, Transparente mit Botschaften der Kartelle, Geköpfte an Strandpromenaden, Gemetzel bei Festen und in Entzugsanstalten, gefilmte Hinrichtungen im Internet - die Kartelle übertrafen sich gegenseitig in einem morbiden Kampf um medienwirksamere Gewalt, um damit die Gesellschaft, den Staat und gegnerische Kartelle einzuschüchtern. Doch "die Entführung von Journalisten, um die landesweite Ausstrahlung von Botschaften der Drogenkartelle zu erzwingen, ist eine Eskalation, die uns alle extrem verwundbar macht", sagt der Chefredakteur der Zeitung Excelsior, Pascal Beltrán.

Lokaljournalisten im Norden Mexikos

Bisher waren es vor allem die Lokaljournalisten im Norden Mexikos, wo der Drogenkrieg besonders heftig tobt, die im Visier der Kartelle standen. "Dort ist die Pressefreiheit schon lange gestorben", sagt Pablo Beauregard, Reporter der Reportagesendung Punto de Partida. Selbstzensur ist gang und gäbe. "Die Kartelle haben verstanden, sich die Medien zunutze zu machen, nicht nur unter Gewaltandrohung, sondern auch unter Ausnutzung der Sensationsgier", sagt Beltrán. Viele Medien versuchen sich mit den blutrünstigsten Geschichten gegenseitig zu übertrumpfen. Die Entführten von Gómez Palacio, die am Wochenende nach sechs Tagen Geiselhaft von der Bundespolizei befreit wurden, sind dafür bestes Beispiel. Sie wurden geschlagen und mit verbundenen Augen eingesperrt. Auf die Frage, was er denn nun weiter vorhabe, antwortete Kameramann Javier Canales von Milenio TV: "Weitermachen, mit der Kamera auf der Schulter, was sonst?" (Sandra Weiss aus Puebla/DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2010)

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11 Postings
Dan Scratch
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Drogen (auch harte) gehören legalisiert und kontrolliert an Süchtige abgegeben. Das wäre das Ende der Beschaffungskriminalität und würde diese Drogenkartelle empfindlich treffen, die sind nämlich die einzigen, die von diesem Verbot profitieren.
Es war kein Zufall, daß sich zu Prohibitionszeiten, das organisierte Verbrechen am meisten gegen die Aufhebung des Alkoholverbots gewehrt haben.

Kra Wuzikabuzi
01
Klingt alles sehr einfach, ist es aber nicht.

Was soll ein kleiner Polizist machen (500 Dollar Monatsgehalt), der Besuch voin den Narcos bekommt, die ihm 1000 Dollar mtl. anbieten, wenn er wegschaut, wenn nicht, ist seine familie tot ??
Beim vorgesetzten melden ist auch keine gute Idee, der ist nämlich wahrscheinlich bereits eingekauft.

Ein Haus der "Oberklasse" (200.000 Dollar) zu kaufen ist momentan auch keine gute Idee (nicht nur im Norden), innerhalb von Wochen wirst Du angerufen, zum Rechtsanwalt zu kommen und Dein Haus kostenlos zu überschreiben, sonst ist Dein Kind tot.

bauchidgw
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In den letzten vier Jahren starben 30 Journalisten - Vier wurden jetzt befreit.

bissi spät

Der Waehlerwille
 
10
Was Mexico braucht.

Ist das Kriegsrecht.

Das komplette abriegeln ganzer Städte.

Strassensperren in grösstdenkbarer anzahl.

Und radikalstes vorgehen der Regierungskräfte gegen diese mafiösen strukturen.

Anders wird dieser staat die sache niemals in den griff bekommen.

lessismore
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Wieder eine erhebende neoliberale Erfolgsgeschichte ...

Kra Wuzikabuzi
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was deine intelligenz betrifft

less is less, finde dich damit ab.

Der Waehlerwille
 
00
was hat die wirtschaft damit zu tun?

das drama ist eines der mafia und der brutalen drogenkartelle.

Jo eh...
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Gehts noch dümmer?

erwin meier
10

stimmt, in kuba gibts sowas nicht!

Jene Grüne Straßenkatze
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...

Nicht besonders schlau, die Drogenmafia - es gibt viel nachhaltigere Methoden, die Nachrichten zu kontrollieren, ohne dabei einen einzigen Schuss abzufeuern,

Viel wirksamer als Gewalt ist nämlich der Einfluss über Geld. Wenn die Medien langsam und schrittweise von Anzeigen der Drogenmafia abhängig gemacht werden, werden sie an irgendeinem Punkt ganz freiwillig Selbstzensur üben und das auch noch als Service am Kunden sehen. Oder man kann Zeitungen kaufen und so ein Medienimperium schaffen, dass einen großen Teil der Meinungsmache eines Landes unter ein Dach bringt.

Und das beste ist: Die meisten Leute würden auch noch glauben, sie hätten Pressefreiheit.

in china ist ein sack monsanto reis umgefallen
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Bei den Anzeigen wird aber schon die Medien- und IT-Mafia regieren, gegen die selbst die Drogenmafia keine Chance hat.

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