Häuptling Ahnungslos

3. August 2010, 18:05
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Gewissheit überkam ihn nur dort, wo er in die Rolle des Haider-Denkmalpflegers schlüpfen konnte

Gar viel war schon zu grübeln über Sinn und Unsinn von TV-Politinterviews - und schließlich kam man erschöpft zum Schluss: Wenn diese Plauderminuten nichts anderes sein wollen als durch lästige Journalistenfragen unterbrochene Belangsendungen in eigener Parteisache, so mögen sie doch zumindest einen gewissen Unterhaltungswert bergen.

In dieser Hinsicht muss man Uwe Scheuch schwere Langeweile-Vorwürfe machen. In der ZiB2 hatte er zwar so ein wissendes Dauerlächeln im Gesicht. Seine Antworten ließen ihn jedoch als uninformiertesten Menschen des Landes erscheinen. Stichwort "Haider und die Millionen" : Er wisse "gar nichts" . Von Gerüchten habe er auch nie gehört.

Gewissheit überkam ihn nur dort, wo er in die Rolle des Haider-Denkmalpflegers schlüpfen konnte ("Auch für einen Toten gilt die Unschuldsvermutung" oder "Es wird nicht gelingen, das positive Bild von Haider zu zerstören" ) oder in eigener Sache etwas auszuräumen hatte. Dass er nach dem Tod seines Obersten zu dessen Witwe gegangen sei und gefragt habe, wo denn das Geld sei - dies sei "eine glatte Lüge."

Schon gut. Jedoch war das alles eher etwas für die Kärntner "Bundesland heute"-Sendung und sein lokales Publikum, das Häuptling Ahnungslos womöglich schätzt, aber doch nichts für die ZiB2, die per 3sat auch über die Grenzen strahlt. Was sollen denn die Nachbarn denken! Da hätte man doch zumindest die Veröffentlichung von Haiders Reisetagebüchern ankündigen können oder eine entlastende eidesstattliche Erklärung von Muammar al-Gaddafi erfinden. Das hätte für den TV-Augenblick seine Wirkung entfaltet. Haider beherrschte zumindest diese Kunst. (Ljubiša Tošić/DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2010)

  • Uwe Scheuch.
    foto: screeshot

    Uwe Scheuch.

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