Per Infrarot-Laser lässt sich selbst der Zustand der Molekülstruktur beurteilen
Wien - In Zukunft könnten Untersuchung von
historischen Hadernpapieren völlig zerstörungsfrei ablaufen. Wissenschafter um Antje Potthast von der
Universität für Bodenkultur (Boku) Wien haben dafür eine Eine neue Methode entwickelt. Durch sogenannte
Infrarotspektroskopie lässt sich der oxidative Schädigungsgrad der Papiere
ebenso bestimmen, wie etwa der pH-Wert, erklärte die Wissenschafterin. Die Arbeiten wurden vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.
Für die Untersuchung muss das Material lediglich mit einem Infrarot-Laser
bestrahlt werden. Das typische Muster an von den Papierfasern aufgenommenen und
zurückgestrahlten Anteilen des Lichts lässt dann Rückschlüsse auf die
Papierqualität zu. Allerdings muss die Methode für verschiedenen Papierarten
gleichsam geeicht werden. Dazu muss eine Probe für eine chemische Analyse
geopfert werden, der Rest funktioniert dann zerstörungsfrei.
Hohe Trefferquote bei Experten
Bisher wird der Zustand von Papieren meist von erfahrenen Restauratoren durch
Ansehen und Fühlen ermittelt. In einer eigenen Studie haben die Boku-Forscher
dieses Expertenwissen getestet und die Beurteilungen mit chemischen Analysen
verglichen. "Es zeigte sich, dass die Experten meistens Recht haben, manchmal
aber auch total falsch liegen können. Die molekulare Struktur sehen sie ja doch
nicht", berichtete Potthast.
Im praktischen Einsatz testete das Boku-Team eine neue Behandlungsmethode
gegen den häufig auftretenden sogenannten Tintenfraß. Der Erfolg dieser
Phytatbehandlung konnte so erstmals auf molekularer Ebene nachgewiesen werden,
die Zellulose-Skelette der historischen Papiere werden vor oxidativem oder
hydrolytischen Abbau geschützt.
Massenversauerungen
Ein Problem, dass sich mit der Infrarotmethode ebenfalls erfassen lässt, sind
die Massenversauerungen von Bücher- oder Kartenbeständen in Bibliotheken. Dabei
entwickelt sich in den alten Papieren aus bei der Verarbeitung ursprünglich
zugegebenem Aluminiumsulfat langsam Schwefelsäure. Die Behandlung in Form einer
Neutralisation ist teuer, mittels Infrarotspektroskopie könnten rasch jene
Exemplare bestimmt werden, bei welchen die Anwendung sinnvoll ist.
Aluminiumsulfat dient dazu, Harzleim auf der Zellulose haften zu lassen. Ohne
diese Beschichtung würde die Tinte auf der Zellulose hoffnungslos zerrinnen. (red/APA)