Infrarot-Laser

Neue Untersuchungs-Methode lässt historische Papiere unbeschadet

9. August 2010, 09:45

Per Infrarot-Laser lässt sich selbst der Zustand der Molekülstruktur beurteilen

Wien - In Zukunft könnten Untersuchung von historischen Hadernpapieren völlig zerstörungsfrei ablaufen. Wissenschafter um Antje Potthast von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien haben dafür eine Eine neue Methode entwickelt. Durch sogenannte Infrarotspektroskopie lässt sich der oxidative Schädigungsgrad der Papiere ebenso bestimmen, wie etwa der pH-Wert, erklärte die Wissenschafterin. Die Arbeiten wurden vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.

Für die Untersuchung muss das Material lediglich mit einem Infrarot-Laser bestrahlt werden. Das typische Muster an von den Papierfasern aufgenommenen und zurückgestrahlten Anteilen des Lichts lässt dann Rückschlüsse auf die Papierqualität zu. Allerdings muss die Methode für verschiedenen Papierarten gleichsam geeicht werden. Dazu muss eine Probe für eine chemische Analyse geopfert werden, der Rest funktioniert dann zerstörungsfrei.

Hohe Trefferquote bei Experten

Bisher wird der Zustand von Papieren meist von erfahrenen Restauratoren durch Ansehen und Fühlen ermittelt. In einer eigenen Studie haben die Boku-Forscher dieses Expertenwissen getestet und die Beurteilungen mit chemischen Analysen verglichen. "Es zeigte sich, dass die Experten meistens Recht haben, manchmal aber auch total falsch liegen können. Die molekulare Struktur sehen sie ja doch nicht", berichtete Potthast.

Im praktischen Einsatz testete das Boku-Team eine neue Behandlungsmethode gegen den häufig auftretenden sogenannten Tintenfraß. Der Erfolg dieser Phytatbehandlung konnte so erstmals auf molekularer Ebene nachgewiesen werden, die Zellulose-Skelette der historischen Papiere werden vor oxidativem oder hydrolytischen Abbau geschützt.

Massenversauerungen

Ein Problem, dass sich mit der Infrarotmethode ebenfalls erfassen lässt, sind die Massenversauerungen von Bücher- oder Kartenbeständen in Bibliotheken. Dabei entwickelt sich in den alten Papieren aus bei der Verarbeitung ursprünglich zugegebenem Aluminiumsulfat langsam Schwefelsäure. Die Behandlung in Form einer Neutralisation ist teuer, mittels Infrarotspektroskopie könnten rasch jene Exemplare bestimmt werden, bei welchen die Anwendung sinnvoll ist.

Aluminiumsulfat dient dazu, Harzleim auf der Zellulose haften zu lassen. Ohne diese Beschichtung würde die Tinte auf der Zellulose hoffnungslos zerrinnen. (red/APA)

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